Artikelbild

Niederlausitz

Besiedlung

Frühe archäologische Funde in der Niederlausitz gaben einer seit etwa 1200 v. Chr. im östlichen Mitteleuropa lebende Kulturgruppe, der Lausitzer Kultur, ihren Namen. Sie ist eine Untergruppe der Urnenfelderkulturen und war während der mittleren und späten Bronzezeit über ein großes Gebiet zwischen Ostdeutschland, Polen und Ungarn verbreitet. In der Zeit vor der Völkerwanderung wanderten germanische Stämme in die Lausitz ein, die wiederum die dort ansässigen Kelten assimilierten. Sie wanderten zum großen Teil nach Süden und Westen ab. Das Territorium der historischen Niederlausitz wurde als Folge der großen Völkerwanderung seit der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts n. Chr. durch slawische Stämme (ursprünglich aus dem Warthe-Weichsel-Gebiet bzw. den Gebieten nördlich der Karpaten stammend) besiedelt. Zuvor siedelnde germanische Stämme waren abgezogen oder gingen als germanische „Restbevölkerung“ im slawischen Ethnikum auf. Das erste schriftliche Zeugnis dieser Zeit stammt von einem fränkischen Chronisten Namens Fredegar, der 631 vom Stammesverband der „Surbi“ berichtete, der den heutigen Sorben ihren Namen gab. Im Zentrum der Niederlausitz siedelte der Stamm der „Lusizi“ („Lunsizi“, „Lusici“). Sie sind es, die dem späteren Markrgrafentum den Namen geben werden. Jenseits im Osten siedelte im Raum von Guben ein anderes großes slawisches Volk, die Selpoli, entlang der Oder und Neiße, in südlicher Richtung bis in die Niederlausitzer Heide hinein, im Westen den Unterspreewald und im Norden die Lieberoser Höhen erreichend.

 

Die bäuerliche Siedlung, das Dorf, war die hauptsächlichste Siedlungsform in der Niederlausitz; die Familien jener Zeit wohnten in (unregelmäßig angelegten) Gehöften ebenerdiger Blockbauten (Rundhölzer). Zum Kennzeichen der sorbischen Besiedlung wurden im 7. JH. die Burgwälle, ursprünglich Zufluchtsorte der Stammesbevölkerung und des Viehs bei feindlichen Angriffen. Mit dem Verfall der Gentilgesellschaft änderte sich ihr Charakter. Anstelle der auf verwandtschaftlichen Beziehungen beruhenden Großfamilie trat die Dorfgemeinschaft (mit Dorfältestem). Mehrere Dörfer bildeten einen Burgbezirk (sorb. župa), mit einer Burg als Zentrum und dem Burgherrn (župan) und seinen Kriegern. Ein Stamm bestand aus mehreren Burgbezirken. An der Spitze des Stammes stand der Fürst. Diese soziale Differenzierung führte auf der einen Seite zur Herausbildung des Feudaladels, den größten Teil der Bevölkerung bildeten freie Bauern, Handwerker und Händler sowie unfreie Stammesangehörige (die Vorläufer der späteren Schicht der leibeigenen Bauern).

 

Besetzung und territoriale Konsolidierung 

Bereits im ausgehenden 8. Jahrhundert begannen die Expansionsbestrebungen des benachbarten Frankenreiches, die Ihren Höhepunkt mit der Konsolidierung des ostfränkisch-deutschen Reiches (919) erreichten. Ziel war die dauerhafte Unterwerfung der slawischen Stämme für Tributzahlungen. (Unterwerfung der „Lusizer“ im Jahre 932 durch Heinrich I.) Trotz heftigen Widerstandes der sorbischen Stämme, waren diese der Macht des bereits zentralisierten Deutschen Reiches nicht gewachsen. Mit der Eroberung der slawischen Gebiete ging auch Ihre Christianisierung einher. Mit dem 12. Jahrhundert bildete sich die administrative Einheit Mark Lausitz, als königliches Lehen vom Wettinischen Markgrafen verwaltet.

 

Im 11. und 12. Jahrhundert entstanden größere Grundherrschaften, aus dem an Markgrafen, Rittern, Bischöfen und Klöstern aufgeteilten Grund und Boden nebst Dörfern und Familien. Das führte zur Änderung der Abhängigkeitsform der bäuerlichen Bevölkerung, die nun zu differenzierten Abgaben und Dienstleistungen gezwungen wurde.

 

Der weitere mittelalterliche Landesausbau wurde in der Niederlausitz im 12. und 13. Jahrhundert im Wesentlichen mit sorbischen Bauern und vereinzelten deutschen Siedlern betrieben, nurdeutsche Gründungen waren seltener. Das Land wurde von einem Lokator (vom Landes- oder Grundherrn eingesetzter Adliger, Bürger oder Großbauer) nach Hufen aufgeteilt, und an die Siedler vergeben; anfangs zu günstigen Bedingungen für die Kolonisten. Diese Situation änderte sich dann im 16. Jahrhundert, als der Adel dazu überging, seine Ländereien zu vergrößern und den Bauern immer größere Belastungen aufzubürden. Die Niederlausitz ist also ein von den Deutschen erobertes Land, in welchem die alten Einwohner zum großen Teile sesshaft blieben und nur zu einem geringen Teil von deutschen Kolonisten verdrängt wurden.

 

Noch bis ins 12. Jahrhundert beanspruchten auch die polnischen Könige das Gebiet für ihr Reich und konnten zeitweise den östlichen Teil des Landes beherrschen. Im 13. und 14. Jahrhundert war die Lausitz zwischen den Adelsgeschlechtern der meißnischen Wettiner und den Askaniern der Wittenberger und der Brandenburger Linie umstritten.

 

Mit dem 14. Jahrhundert wurde die Lausitz Teil der böhmischen Krone, deren Nebenland das Markgraftum bis 1635 blieb. Vor allem im 15. Jahrhundert aber auch im 16. Jahrhundert gingen bedeutende Teile der Lausitz durch Verkauf und Verpfändung an die benachbarten Kurfürstentümer Sachsen und Brandenburg verloren, so zum Beispiel 1454 der zentrale Cottbuser Kreis. In jener Zeit entstand auch der Lausitzer Landtag. Die in vier Kurien gegliederte Ständeversammlung war die wichtigste politische Kraft im Land. Daneben nahm ein Landvogt die Belange des böhmischen Königs wahr.

 

Zwischen 1520 und 1540 breitete sich die Reformation im Land aus. Die Niederlausitz war das einzige Land im böhmisch-habsburgischen Machtbereich, in dem die evangelischen Stände Kirchenhoheit erlangten und das landesweit. Bis auf das Kloster Neuzelle wurden alle anderen Klöster aufgelöst.

 

Im Verlaufe des Dreißigjährigen Krieges (Prager Frieden 1635) wurde der sächsische Kurfürst mit dem Markgraftum Niederlausitz belehnt, welches territorial selbstständig blieb, wobei der Kurfürst von Sachsen zugleich der Markgraf der Niederlausitz war.

 

Ländliche Besitzverhältnisse

Seit Beginn des 16. Jahrhundert erlebte der Adel eine schwere wirtschaftliche Krise u.a. durch die sinkende Kaufkraft des Geldes. Ausweg sahen die adeligen Landbesitzer in der Ausdehnung der Produktion verbunden mit der Vergrößerung ihrer eigenen Wirtschaft und der Erweiterung der bäuerlichen Dienstleistungen. Der verschärfte soziale Druck auf die sorbische aber auch deutsche Bauernschaft gipfelte bekanntermaßen in den auch für die Niederlausitz nachweisbaren (allerdings verspätet einsetzenden) Bauernunruhen. Dieser Prozess des Übergangs der Grundherrschaft zur größeren Gutsherrschaft setzte sich nach dem Dreißigjährigen Krieg fort. Wurden zunächst die zahlreichen wüsten Bauernwirtschaften dem herrschaftlichen Besitz einverleibt, vergrößerte man die Gutswirtschaft schließlich durch Vertreibung der Bauern von ihrem Land bzw. durch Umsetzung auf kleineren Grund und Boden. Dies’ ging einher mit der Umwandlung von erblichem Besitz in den nicht erblichen Laßbesitz, also der Einführung der Erbuntertänigkeit.

 

Da die Art des Besitzrechtes wenig mit der Größe des Gutes zu tun hatte, gab es auch „lassitische“ Wirtschaften von verschiedener Größe, nach der sich aber die zu erbringenden Leistungen der Bauern richteten. Das Laßgut bestand aus Haus und Hof, Feld, Wiese, Hutung, Gerät und Inventar. Trotz gewisser Abweichungen in der wissenschaftlichen Literatur kann man von folgender historischer Unterscheidung ausgehen: Ganz-Hufner (o. Hüfner) oder Bauern [Besitz eine ganze Hufe], Klein-Hufner oder Kleinbauer [Besitz eine dreiviertel Hufe], Halbhufner, Gärtner, Kossäten und Büdner; mit jeweils abgestufter Zuweisung von Acker, Wiese, Garten, Hofraum (!), Wagen, Pflug, Saatgetreide, Vieh (Festgelegt im Verhältnis ist ebenfalls, wie viel und welches Vieh in der Wirtschaft gehalten werden darf).

 

Im 18. Jahrhundert lassen sich zunehmend die Besitzkategorien von bäuerlichem Laß-, Erb- und Lehnbesitz nicht mehr deutlich scheiden, da der starke wirtschaftliche Druck zur Verwischung der Unterschiede in der Frohnleistung führte. Das gutsherrschaftlich-bäuerliche Verhältnis erlebte eine durchgreifende Veränderung erst mit den Ende des 18. Jh. einsetzenden gesellschaftlichen und ökonomischen Umwälzungen in Deutschland auf dem Weg zum Kapitalismus. Sie erfuhren ihren politischen Ausdruck in den Preußischen Reformen, insbesondere den Preußischen Agrarreformen seit 1807, wenn auch in der Niederlausitz zögerlicher durchgesetzt: (die Niederlausitz fiel 1814/15, nach dem Sturz Napoleon I., an Preußen) alte Ständeverfassung wurde nach Eingliederung vorerst beibehalten; Einführung der Gewerbe-, Land-, Verbrauchs- und Personensteuer ausgesetzt; Einführung der revidierten Städteordnung (1808) in der Niederlausitz erst 1832; Fall der Erbuntertänigkeit im Januar 1819 (Preußen 1810)!

 

Im Zuge der Reformen konnten (zuerst die „spannfähigen“) Bauern ihre „Ackernahrung“ nebst Hof durch Kauf und Landabtretung in privates Eigentum überführen. Dieses Loslösen von der Erbuntertänigkeit war für die meisten Bauern teuer erkauft (bis zu einem Drittel Landabtretungen an den Gutsherren), zumal lange Zeit die Hand- und Spanndienste erhalten blieben. Kleinbauern ohne Gespann wurden oft zu besitzlosen Landarbeitern, da der Gutsherr ihren Boden für billiges Geld kaufen konnte. Sie mussten sich auf dem Gut verdingen oder gingen in die aufkommende Industrie.

 

Nahm die Landwirtschaft in jener Zeit einen generellen Aufschwung, so waren die Bedingungen in der Niederlausitz nicht so günstig. Die geringeren Erträge haben hier auch im 19. Jh. kaum Besserung gebracht. Die Bauweise blieb meist eingeschossig, und der Massivbau setzte sich nur zögernd durch. Der Anteil der erhaltenen Holzbauten ist daher noch verhältnismäßig hoch.

 

Die neuen Preußen

Ende September 1813 wurde der altpreußische Kreis Cottbus, der zu den Gebieten gehörte, die 1807 nach der Niederlage Preußens gegen die Truppen Napoleons abgetreten wurden, von Preußen wieder in Besitz genommen. Am 22. Mai 1815 fielen nach den Beschlüssen des Wiener Kon­gresses, auf dem die politische und territoriale Neu­ordnung Europas festgelegt wurde, die übrigen sechs Kreisgebiete der Niederlausitz, die bisher zum Königreich Sachsen gehört hatten, an Preußen und wurden in den Regierungsbezirk Frankfurt an der Oder der neu gegründeten Provinz Brandenburg ein­gegliedert, das Markgraftum wird aufgelöst. Die Autonomierechte der Stände wurden schrittweise aufgehoben und Lübben verliert seine Funktion als Hauptstadt einer Jahrhunderte lang autonomen Region.

 

Zwischen 1812 und 1848 wuchs die Einwohner­zahl der Niederlausitz um 42 Prozent an. Annähernd drei Viertel der 271635 Einwohner lebten 1840 auf dem Lande. Die Gebiete, die zu Preußen kamen, wurden nicht nur von Deutschen, sondern eben von der slawischen Minderheit der Sorben bewohnt. Durch die Gebietsumverteilung erfolgte eine administrative Zerstückelung ihres Siedlungsraumes. Gehörten im Jahre 1807 noch 95 Prozent der sor­bischen Bevölkerung zu Sachsen, unterstanden nach der Umgestaltung 80 Prozent von ihr dem preußi­schen Staat, und nur 20 Prozent verblieben in Sachsen. Damit waren alle Bestrebun­gen der sorbischen Intelligenz nach einer nationalen Selbstverwirklichung zum Scheitern verurteilt. Der Anteil der sorbischen Bevölkerung an der Gesamt­einwohnerzahl der beiden preußischen Provinzen Brandenburg und Schlesien betrug nur etwa sechs Prozent, in der sächsischen Oberlausitz weiterhin ein Viertel. Unter der preußischen Herrschaft verstärkte sich die Unterdrückung der Sorben, insbesondere wurden administrative Maßnahmen ergriffen, um den Gebrauch der niedersorbischen Sprache zurückzudrängen, was durch die evangelische Kirche mehr als toleriert wurde.

 

Die Niederlausitz als Landschaftsbegriff

Um 1816 begann die Neuorganisation der Territorialverwaltung. Sieben Landkreise, Cottbus, Sorau (heute Polen), Spremberg, Calau, Luckau, Lübben und Guben wurden eingeführt. Die administrative Gliederung blieb im Wesentlichen bis 1945 bestehen.

 

Den nationalsozialistischen Machthabern des „Dritten Reiches“ gefiel eine teils umfassende begriffliche Umbenennung der Regionen, die hauptsächlich parteipolitischer Gliederung folgte. Alte Unterscheidungen wurden, historisch völlig unberech­tigt, verwässert und gaben damit Anlass zu Begriffsverwirrungen, das galt auch für die Niederlausitz.

 

Nach dem durch das Deutsche Reich angezettelten 2. Weltkrieg kamen die östlich der Neiße gelegenen Teile des Landes durch das Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung. Die Grenze wurde durch den mit der Deutschen Wiedervereinigung 1990 abgeschlossenen „2 + 4 Vertrag“ und dem Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über die Bestätigung der zwischen ihnen bestehenden Grenzen vom 14. November 1990 endgültig.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehört die Niederlausitz zunächst wieder zum Land Brandenburg und schließlich zur DDR. Im Zuge der Gebietsreform von 1952 wurde der größte Teil der Niederlausitz zum Bezirk Cottbus zusammengefasst. Zugleich etablierte sich die Bezirksstatt Cottbus quasi als regionales Zentrum der verbliebenen historischen Niederlausitz. Mit den politischen Veränderungen und der Wiedererrichtung des Landes Brandenburg nach 1990 wird Niederlausitz nur noch historisch oder als Landschaftsbegriff verwendet. Schließlich führte die Bildung von Großkreisen im Jahr 1993 (z. B. Landkreis Dahme-Spreewald) über die historischen Grenzen der Niederlausitzer Region hinaus.

 

Niederlausitz

Niedersorbisch: Dolna Łužyca,

Obersorbisch: Delnja Łužica,

Polnisch: Dolne Łużyce,

Latein: Lusatia inferior

 

Wappen

Es besteht aus einem weißen Panier mit einem roten Ochsen. Es hat Ähnlichkeit mit dem Wappen der Stadt Luckau, welche im Mittelalter die „Hauptstadt“ der Niederlausitz war.

Virtuelle Vitrine

  • Eisschrank

Vitrinenbild
  • Beschreibung:

    Eisschrank- Kühlschrank Die ersten Eisschränke bestanden aus Holz und waren mit Zinkplech und Porzellan isoliert. In das obere Fach kamen die Eisstücke, deren Kaltluft die im Fach darunter befindlichen Lebensmittel kühlten.

  • Zeitstellung:

    Mitte des 19. Jahrhundert

  • Museum:

    Museumsscheune Bloischdorf