Übersicht der Museumsgründungen im Landkreis Spree-Neiße
Museumslandschaft
Das Lausitzer Museenland ist als künftiges Netzwerk von engagierten musealen Einrichtungen der Nieder- und Oberlausitz auf den Weg gebracht. In der gegenwärtigen Projektphase beziehen sich alle Aktivitäten zur Netzwerkarbeit noch auf den Landkreis Spree-Neiße, als Initiator des Gesamtprojektes.
Problemlage/ Ausgangssituation
Der Landkreis gehört zu den strukturschwachen Gebieten Brandenburgs, mit wenigen nennenswert auf die Region abstrahlenden Industrie- oder Gewerbeansiedlungen. Noch immer und besonders hat die Wirtschaft des Kreises unter dem drastischen Rückbau der Textil- und Glasindustrie und Teilen der Braunkohleveredelung an den einst exponieren Standorten zu leiden. Besonders die beiden Museumsstandorte Forst und Guben müssen sich dieser Situation und ihren mentalen Auswirkungen stellen. Eine Folge anhaltender Strukturschwäche ist die Abwanderung besonders jüngerer Einwohner der ländlichen Siedlungen. Der höchste Anteil Weggezogener bewegt sich in der Altersgruppe der zwischen 30 und 45jährigen, gleich gefolgt von der Gruppe der 18 bis 30jährigen. Besonders schwerwiegend ist diese Tatsache, weil es sich dabei hauptsächlich um Familien mit Kindern handelt.
Verlust von Kulturlandschaft: Drei Großtagebaue liegen auf dem Territorium des Landkreises. Zahlreiche Dörfer mussten in den letzten Jahrzehnten ihrer Ausdehnung weichen. Siedlung und Haus und die damit verbundenen kulturgeschichtlichen Errungenschaften gehören jedoch zu den elementarsten Leistungen der Menschheit und bilden eine wichtige Quelle für kulturelles Selbstverständnis und Identitätsbildung. Vom bergbaubedingten Siedlungsverlust in der Region ist besonders auch die sorbische Bevölkerung betroffen, deren Entwurzelung unwiederbringlichen Kulturverlust bedeutet.
Der größte Teil der Siedlungen im Landkreis partizipiert wenig von den intensiv frequentierten Tourismusgebieten Spreewald oder Branitzer Park mit der Stadt Cottbus. Trotz des gut ausgebauten Radwegenetzes im Landkreis können Besucher kaum über diese Wege in die Landgemeinden mit ihren kleinen oder größeren Sehenswürdigkeiten geleitet werden. Eine funktionierende Infrastruktur dazu fehlt noch immer.
Trotz sich ständig verschlechternder Finanzlage der Kommunen kam es auch in den letzten Jahren zu Neugründungen musealer Einrichtungen. (siehe Grafik)
Potentiale
Andererseits haben wir es mit einer Region zu tun, deren naturräumlichen Reize als Potentiale für Besucher noch relativ wenig erschlossen sind. Ebenso hat sich in den Dörfern noch viel von einer spezifischen dörflichen Kulturlandschaft mit aktivem Brauchtum und Heimatverbundenheit erhalten. Mit einer Vernetzung musealer Aktivitäten soll versucht werden, kulturelle Werte und Identifikationsbilder durch aktives Engagement für unsere Region zu bewahren und zukunftsfähig zu gestalten. Durch das Bewusstmachen der eigenen Werte und Traditionen soll ein Beitrag zur Entwicklung eines neuen Wir-Gefühls und damit zur Stabilisierung der emotionalen Lage in der Region geleistet werden.
Übersicht
Der Gesamtüberblick der im Landkreis Spree-Neiße vorhandenen musealen Einrichtungen und ihrer Sammlungen ergibt, dass sowohl in Museen als auch in Heimatstuben nicht nur rein ortsbezogene Sammlungen angelegt wurden, sondern regionale und themenspezifische Sammlungsschwerpunkte erkennbar sind. Manche Sammlungen sind mit regionaler Forschungstätigkeit verbunden. Von besonderer Bedeutung für die umfassende museale Darstellung der Entwicklung des Landkreises Spree-Neiße sind die Museen in Spremberg, Guben und Forst.
Struktur der Trägerschaften
Die Struktur der Trägerschaften musealer Einrichtungen im Landkreis Spree-Neiße zeigt auf den ersten Blick ein ausgewogenes Bild. Etwa 50% der Einrichtungen sind in öffentlicher, die anderen in privater Trägerschaft. Die Trägerstruktur deckt sich jedoch nicht mit der Situation der Eigentumsverhältnisse der musealen Sammlungen. Von den Sammlungen ist eine in kreislichem Eigentum, einige in kommunalem, andere in Vereinseigentum. Allerdings gibt es auch Mischformen von Vereins- und Gemeinde- oder Vereins- und Privateigentum.
Sammlungen
Wie einleitend angedeutet, sind für die umfassende Darstellung der Entwicklung des Landkreises Spree-Neiße die Sammlungen der Museen in Spremberg, Guben und Forst von besonders hoher Bedeutung. Die ehemaligen Kreismuseen Spremberg und Guben, aber auch das Textilmuseum in Forst mit einem bedeutenden Fundus zur Stadtgeschichte können auf eine sehr lange, regionalgeschichtlich bedeutsame Sammeltradition blicken. In der Vielschichtigkeit sind ihre Bestände am ehesten geeignet, die Geschichte des Landkreises in vergegenständlichter Form abzubilden. Daneben sind auf Grund der Spezifik ihres Sammlungsprofils auch einige Sammlungen von Heimatmuseen und -stuben regional bedeutsam. Hervorzuheben sind hier das Heimatmuseum Dissen, die Heimatstube Groß Kölzig oder die Strittmatter-Gedenkstätte Bohsdorf. Die Sammlungstätigkeit bezieht sich überwiegend auf Objekte aus dem Zeitraum vom 19. Jahrhundert bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Zukunftsorientiertes Sammeln zur Bewahrung der zeitnahen Zeugnisse erfolgt seltener.
Dauerausstellung
Die Dauerausstellungen präsentieren regionale und ortsbezogene Geschichte mit Themenschwerpunkten wie Handwerk, Schule, Vereinswesen. Die Fragestellungen, unter denen die Ausstellungen erarbeitet wurden, sind weniger von zeitnaher Relevanz, sondern eher historisch determiniert. Die enorm strukturverändernden Entwicklungen im Landkreis durch den Braunkohletagebau allerdings werden seit Kürze in der Ausstellung in Horno reflektiert.
Sonderausstellungen
In den Museen werden einerseits Sonderausstellungen zu regionalspezifischen Themen selbst erarbeitet und andererseits fertige Ausstellungen mit Sonderthemen aus anderen Museen übernommen. Die sich verschärfende Personalsituation in den Museen in Guben und Spremberg führt dazu, dass eigene Ausstellungen kaum noch erarbeitet werden können. In den Heimatstuben stehen meist keine separaten Räumlichkeiten für Sonderausstellungen zur Verfügung. Sonderausstellungen in kleinem Rahmen werden von Heimatvereinen erarbeitet, in die Dauerausstellung integriert oder andernorts gezeigt.
Schlussfolgerung
Die Museen des Landkreises Spree-Neiße verfügen gemeinsam über ein solides und breites Fundament für eine qualitätvolle museale Repräsentation der Region, insbesondere in ihren Sammlungen. Ein Entwicklungsbedarf besteht vor allem in der Professionalisierung und Qualifizierung der zumeist unterfinanzierten Häuser und ihrer ehrenamtlichen und aus Ressourcen des zweiten Arbeitsmarktes beschäftigten Mitarbeiter. Um Synergieeffekte durch eine stärkere Vernetzung zu erreichen, muss in die Beratung und Qualifizierung der Sammlungs- und Ausstellungsarbeit investiert werden. Diese Anstrengungen sollten auf Kreisebene gebündelt werden. Ausgehend vom Kreismuseum Niederlausitzer Heidemuseum Spremberg sollten einzelne Häuser dabei tragende Rollen erhalten. Diese Häuser sollten eine überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit aufweisen und gezielt in ihrer überörtlichen Funktion gestärkt werden.