Geschichte der Lausitz

Naturraum | Die Lausitzen | Niederlausitz | Oberlausitz  | Sorben und Wenden | Museenlandschaft
geschichte

Naturraum

Die Lausitz unterteilt sich landschaftlich in zwei unterschiedliche Gebiete, die Ober- und die Niederlausitz, sie haben eine ganz verschiedene geologische Geschichte.
Die Oberfläche der Niederlausitz wurde wie die des ganzen Norddeutschen Tieflandes durch die Eiszeit geformt und zwar während des annähernd zwei Millionen Jahre dauernden Pleistozäns in der Neuzeit der Erde. Es gab vier Eiszeiten mit drei Zwischeneiszeiten. Das Eis ließ nach der Schmelze fruchtbare Grundmoränen zurück und hügelige Endmoränen, große Sandflächen und viele Seen. Durch die Niederlausitz zieht sich der Lausitzer Grenzwall, ein Teil des südlichen Landrückens, der sich nordwestlich im Niederen Fläming fortsetzt. Es handelt sich um die Hauptendmoräne des Warthestadiums der Saaleeiszeit. Die höchste Erhebung des Lausitzer Grenzwalls beträgt 167 m. Der Südliche Landrücken stellt hier eine Wasserscheide dar. Die von Süden kommenden Flüsse Dahme, Spree und Neiße haben Durchbrüche geschaffen. Südlich des Lausitzer Grenzwalls schließt sich das Urstromtal der Schwarzen Elster an. Zur jüngeren glazialen Serie gehört als Abflussrinne das Baruther Urstromtal, deren Bett in der Niederlausitz von der Spree genutzt wird, die sich hier zum Spreewald verzweigt. Nahezu weltweit einmalig ist der Muskauer Faltenbogen, eine Stauchendmoräne der Saaleeiszeit. Der Inlandeis-Gletscher stauchte die vor und unter ihm liegenden Sand- und Braunkohleschichten auf einer Länge von mehr als 40 km zu einem hufeisenförmigen Faltenbogen auf. Er ist als flacher Hügelzug beiderseits der Neiße erhalten. Die Oberfläche der Niederlausitz wurde grundlegend im ausgehenden Mittelpleistozän vor ca. 150.000 Jahren geschaffen und in den folgenden Epochen des Jungpleistozäns und des Holozäns glaziär (Verformung durch Gletschereis), vor allem aber durch Verwitterung, Abtragung, Ausspülung und Verwehung sowie durch Sedimentation geformt. Die Niederlausitz ist somit größtenteils ein Tiefland, das ursprünglich von ausgedehnten Mooren, Bruchwäldern und Buchen-Eichenwäldern bedeckt war. Im 19. Jahrhundert waren verbreitet Kiefernforste anzutreffen. In jüngster Zeit entstand und entsteht durch die Rekultivierung des Lausitzer Braunkohlenrevieres das Lausitzer Seenland.

Die Oberlausitz dagegen zeigt ein ganz anderes Bild, geomorphologisch wird sie durch das einheitliche Lausitzer Granitmassiv geprägt. In ihr liegen das Lausitzer Bergland und das Zittauer Gebirge (höchste Erhebung: Lausche, 793 m ü. NN), beide gehören zu den deutschen Mittelgebirgen. Diese entstanden aus dem großen Variskischen Gebirge aus dem Erdaltertum, das sich im großen Bogen vom französischen Zentralplateau bis zur Mährischen Pforte erstreckte. Als in der Tertiärzeit (Beginn vor 60 Millionen Jahren) die Alpen aufgefaltet wurden, zerbrach dieses schon stark abgetragene Gebirge in einzelne Schollen, abgeschliffene, gerundete Formen. Das mittlere offene wellige Hügelland zwischen Kamenz und Löbau, mit Bautzen im Zentrum, das Oberlausitzer Gefilde, war gut für die Landwirtschaft geeignet und ist auch heute noch sehr ertragreich. Das Gebiet war deutlich länger in relevanter Größenordnung besiedelt als die benachbarten Naturräume und war ein Hauptzentrum der Lausitzer Kultur. Lediglich der Norden und Nordosten der Oberlausitz ist eiszeitlich geformt, er wird von der flachen Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft eingenommen. Alle größeren Flüsse der Oberlausitz fließen von Süden nach Norden. Im Westen bildete die Pulsnitz früher die Landesgrenze zu Sachsen. Die Spree nimmt ihren Ausgang ganz im Süden des Landes und fließt durch Bautzen. Die Lausitzer Neiße entspringt im böhmischen Isergebirge, tritt nahe Zittau auf Oberlausitzer Gebiet, durchfließt Görlitz und verlässt das Land bei Bad Muskau in Richtung Niederlausitz.

Die Lausitzen

Bei der Lausitz sprechen wir von einer Region, die also einerseits geologisch aber auch politisch und kulturhistorisch in zwei Teile zu unterscheiden ist. Die früher gebräuchliche Bezeichnung “Lausitzen” benennt zwei verschiedene aneinandergrenzende Länder: die Ober- und die Niederlausitz. Der Name Lausitz bezog sich ursprünglich nur auf das von westslawischen Stämmen besiedelte Gebiet um Cottbus (das alte Land der Lusitzi), die heutige Niederlausitz. Nachdem sich die Bezeichnung im 15. Jahrhundert auch auf die Gebiete um Bautzen, Görlitz und Zittau, die heutige Oberlausitz, ausgedehnt hatte, wurde die Unterscheidung in Nieder- und Oberlausitz gebräuchlich.

Grenzen der Niederlausitz

Das Gebiet der Niederlausitz hat historisch fließende Grenzen und es ist problematisch, eindeutige Linien zu ziehen. Im Norden verläuft die Grenze etwa mit dem Spreelauf, ungefähr auf der Linie Eisenhüttenstadt, Schwielochsee, Neu Lübbenau. Südwestlich bildet das Stromtal der Schwarzen Elster, westlich der Niedere Fläming und nordwestlich der Teltow die Grenze der Niederlausitz. Im Süden begrenzt die Niederlausitz der Lauf der Schwarzen Elster. Dort, wo dieselbe an das Niederlausitzer Heideland stößt, verlängern wir ihren Lauf durch eine gedachte Linie nach Osten, die die Neiße überschreitet und bis zur Niederschlesischen Heide (Bory Dolnośłąskie) führt. So haben wir etwa die südliche Grenze. Im Osten begrenzt die Bober (Bobr), dort wo diese in die Oder eintritt,  die Region.

Grenzen der Oberlausitz 

Die Oberlausitz ist die Region zu beiden Seiten der oberen Spree zwischen der Elbe und der Neiße. Im Westen bildete die Pulsnitz früher die Landesgrenze zu Sachsen. Die Ostgrenze der alten Oberlausitz wurde vom Queis markiert, der auch an Lauban vorbeiströmt und weiter nördlich auf schlesischem Gebiet in den Bober mündet. Nach Süden schließen sich das Elbsandsteingebirge und das Lausitzer Gebirge an.

Die Geschichte beider Länder weist zwar viele Parallelen auf. Aufgrund der Tatsache, dass beide Regionen aber eigene Teilstaaten waren und teilweise erheblich unterschiedliche Entwicklungen nahmen, sollte eine getrennte Betrachtung erfolgen.

Herausbildung des Namens Oberlausitz

Für die Region zwischen den Flüssen Pulsnitz im Westen und Queis im Osten (das alte Land der Milzener) waren bis ins 16. Jahrhundert verschiedene Bezeichnungen wie „das ganze Land Budissin“ oder „die Länder Budissin und Görlitz“ gebräuchlich, es gab jedoch keinen einheitlichen Landschaftsnamen. Die Gründung des Sechsstädtebundes im Jahr 1346 führte nun zu einem neuen Landesnamen. Der Grund dafür lag darin, dass neben den königlichen Städten Bautzen, Görlitz, Lauban, Löbau und Kamenz auch das bis dahin böhmische Zittau in den Bund und damit in das Bautzener Markgraftum eingegliedert wurde, für das sich auch die Bezeichnung „Land der Sechsstädte“ oder kurz „Sechsstädte“ durchsetzte (lateinisch: „Hexapolis“ oder „terra hexapolitana“).

Seit dem 15. Jahrhundert kam es dann vermehrt zur Verwendung des Namens „Lusatia“ für das Gebiet der heutigen Oberlausitz und schließlich für die gesamte Lausitz (erstmals 1409 an der Universität Leipzig). In den folgenden Jahrzehnten setzte sich die Unterteilung der Lausitzen und die Bezeichnung des „Sechsstädtelandes“ als „Lusatia superior“, also Oberlausitz, durch (offiziell erstmals 1474 in einer Urkunde des ungarischen Hofes). Von den Einwohnern selbst wurde der Landesname erst in der Mitte des folgenden Jahrhunderts nach und nach im Sinne eigener regionaler Identität gebraucht.

 

Niederlausitz

Besiedlung

Frühe archäologische Funde in der Niederlausitz gaben einer seit etwa 1200 v. Chr. im östlichen Mitteleuropa lebende Kulturgruppe, der Lausitzer Kultur, ihren Namen. Sie ist eine Untergruppe der Urnenfelderkulturen und war während der mittleren und späten Bronzezeit über ein großes Gebiet zwischen Ostdeutschland, Polen und Ungarn verbreitet. In der Zeit vor der Völkerwanderung wanderten germanische Stämme in die Lausitz ein, die wiederum die dort ansässigen Kelten assimilierten. Sie wanderten zum großen Teil nach Süden und Westen ab. Das Territorium der historischen Niederlausitz wurde als Folge der großen Völkerwanderung seit der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts n. Chr. durch slawische Stämme (ursprünglich aus dem Warthe-Weichsel-Gebiet bzw. den Gebieten nördlich der Karpaten stammend) besiedelt. Zuvor siedelnde germanische Stämme waren abgezogen oder gingen als germanische „Restbevölkerung“ im slawischen Ethnikum auf. Das erste schriftliche Zeugnis dieser Zeit stammt von einem fränkischen Chronisten Namens Fredegar, der 631 vom Stammesverband der „Surbi“ berichtete, der den heutigen Sorben ihren Namen gab. Im Zentrum der Niederlausitz siedelte der Stamm der „Lusizi“ („Lunsizi“, „Lusici“). Sie sind es, die dem späteren Markrgrafentum den Namen geben werden. Jenseits im Osten siedelte im Raum von Guben ein anderes großes slawisches Volk, die Selpoli, entlang der Oder und Neiße, in südlicher Richtung bis in die Niederlausitzer Heide hinein, im Westen den Unterspreewald und im Norden die Lieberoser Höhen erreichend.

Die bäuerliche Siedlung, das Dorf, war die hauptsächlichste Siedlungsform in der Niederlausitz; die Familien jener Zeit wohnten in (unregelmäßig angelegten) Gehöften ebenerdiger Blockbauten (Rundhölzer). Zum Kennzeichen der sorbischen Besiedlung wurden im 7. JH. die Burgwälle, ursprünglich Zufluchtsorte der Stammesbevölkerung und des Viehs bei feindlichen Angriffen. Mit dem Verfall der Gentilgesellschaft änderte sich ihr Charakter. Anstelle der auf verwandtschaftlichen Beziehungen beruhenden Großfamilie trat die Dorfgemeinschaft (mit Dorfältestem). Mehrere Dörfer bildeten einen Burgbezirk (sorb. župa), mit einer Burg als Zentrum und dem Burgherrn (župan) und seinen Kriegern. Ein Stamm bestand aus mehreren Burgbezirken. An der Spitze des Stammes stand der Fürst. Diese soziale Differenzierung führte auf der einen Seite zur Herausbildung des Feudaladels, den größten Teil der Bevölkerung bildeten freie Bauern, Handwerker und Händler sowie unfreie Stammesangehörige (die Vorläufer der späteren Schicht der leibeigenen Bauern).

Besetzung und territoriale Konsolidierung

Bereits im ausgehenden 8. Jahrhundert begannen die Expansionsbestrebungen des benachbarten Frankenreiches, die Ihren Höhepunkt mit der Konsolidierung des ostfränkisch-deutschen Reiches (919) erreichten. Ziel war die dauerhafte Unterwerfung der slawischen Stämme für Tributzahlungen. (Unterwerfung der „Lusizer“ im Jahre 932 durch Heinrich I.) Trotz heftigen Widerstandes der sorbischen Stämme, waren diese der Macht des bereits zentralisierten Deutschen Reiches nicht gewachsen. Mit der Eroberung der slawischen Gebiete ging auch Ihre Christianisierung einher. Mit dem 12. Jahrhundert bildete sich die administrative Einheit Mark Lausitz, als königliches Lehen vom Wettinischen Markgrafen verwaltet.

Im 11. und 12. Jahrhundert entstanden größere Grundherrschaften, aus dem an Markgrafen, Rittern, Bischöfen und Klöstern aufgeteilten Grund und Boden nebst Dörfern und Familien. Das führte zur Änderung der Abhängigkeitsform der bäuerlichen Bevölkerung, die nun zu differenzierten Abgaben und Dienstleistungen gezwungen wurde.

Der weitere mittelalterliche Landesausbau wurde in der Niederlausitz im 12. und 13. Jahrhundert im Wesentlichen mit sorbischen Bauern und vereinzelten deutschen Siedlern betrieben, nurdeutsche Gründungen waren seltener. Das Land wurde von einem Lokator (vom Landes- oder Grundherrn eingesetzter Adliger, Bürger oder Großbauer) nach Hufen aufgeteilt, und an die Siedler vergeben; anfangs zu günstigen Bedingungen für die Kolonisten. Diese Situation änderte sich dann im 16. Jahrhundert, als der Adel dazu überging, seine Ländereien zu vergrößern und den Bauern immer größere Belastungen aufzubürden. Die Niederlausitz ist also ein von den Deutschen erobertes Land, in welchem die alten Einwohner zum großen Teile sesshaft blieben und nur zu einem geringen Teil von deutschen Kolonisten verdrängt wurden.

Noch bis ins 12. Jahrhundert beanspruchten auch die polnischen Könige das Gebiet für ihr Reich und konnten zeitweise den östlichen Teil des Landes beherrschen. Im 13. und 14. Jahrhundert war die Lausitz zwischen den Adelsgeschlechtern der meißnischen Wettiner und den Askaniern der Wittenberger und der Brandenburger Linie umstritten.

Mit dem 14. Jahrhundert wurde die Lausitz Teil der böhmischen Krone, deren Nebenland das Markgraftum bis 1635 blieb. Vor allem im 15. Jahrhundert aber auch im 16. Jahrhundert gingen bedeutende Teile der Lausitz durch Verkauf und Verpfändung an die benachbarten Kurfürstentümer Sachsen und Brandenburg verloren, so zum Beispiel 1454 der zentrale Cottbuser Kreis. In jener Zeit entstand auch der Lausitzer Landtag. Die in vier Kurien gegliederte Ständeversammlung war die wichtigste politische Kraft im Land. Daneben nahm ein Landvogt die Belange des böhmischen Königs wahr.

Zwischen 1520 und 1540 breitete sich die Reformation im Land aus. Die Niederlausitz war das einzige Land im böhmisch-habsburgischen Machtbereich, in dem die evangelischen Stände Kirchenhoheit erlangten und das landesweit. Bis auf das Kloster Neuzelle wurden alle anderen Klöster aufgelöst.

Im Verlaufe des Dreißigjährigen Krieges (Prager Frieden 1635) wurde der sächsische Kurfürst mit dem Markgraftum Niederlausitz belehnt, welches territorial selbstständig blieb, wobei der Kurfürst von Sachsen zugleich der Markgraf der Niederlausitz war.

Ländliche Besitzverhältnisse

Seit Beginn des 16. Jahrhundert erlebte der Adel eine schwere wirtschaftliche Krise u.a. durch die sinkende Kaufkraft des Geldes. Ausweg sahen die adeligen Landbesitzer in der Ausdehnung der Produktion verbunden mit der Vergrößerung ihrer eigenen Wirtschaft und der Erweiterung der bäuerlichen Dienstleistungen. Der verschärfte soziale Druck auf die sorbische aber auch deutsche Bauernschaft gipfelte bekanntermaßen in den auch für die Niederlausitz nachweisbaren, allerdings verspätet einsetzenden, Bauernunruhen. Dieser Prozess des Übergangs der Grundherrschaft zur größeren Gutsherrschaft setzte sich nach dem Dreißigjährigen Krieg fort. Wurden zunächst die zahlreichen wüsten Bauernwirtschaften dem herrschaftlichen Besitz einverleibt, vergrößerte man die Gutswirtschaft schließlich durch Vertreibung der Bauern von ihrem Land bzw. durch Umsetzung auf kleineren Grund und Boden. Dies ging einher mit der Umwandlung von erblichem Besitz in den nicht erblichen Laßbesitz, also der Einführung der Erbuntertänigkeit.

Da die Art des Besitzrechtes wenig mit der Größe des Gutes zu tun hatte, gab es auch „lassitische“ Wirtschaften von verschiedener Größe, nach der sich aber die zu erbringenden Leistungen der Bauern richteten. Das Laßgut bestand aus Haus und Hof, Feld, Wiese, Hutung, Gerät und Inventar. Trotz gewisser Abweichungen in der wissenschaftlichen Literatur kann man von folgender historischer Unterscheidung ausgehen: Ganz-Hufner (o. Hüfner) oder Bauern [Besitz eine ganze Hufe], Klein-Hufner oder Kleinbauer [Besitz eine dreiviertel Hufe], Halbhufner, Gärtner, Kossäten und Büdner; mit jeweils abgestufter Zuweisung von Acker, Wiese, Garten, Hofraum, Wagen, Pflug, Saatgetreide, Vieh. Festgelegt im Verhältnis ist ebenfalls, wie viel und welches Vieh in der Wirtschaft gehalten werden darf.

Im 18. Jahrhundert lassen sich zunehmend die Besitzkategorien von bäuerlichem Laß-, Erb- und Lehnbesitz nicht mehr deutlich scheiden, da der starke wirtschaftliche Druck zur Verwischung der Unterschiede in der Frohnleistung führte. Das gutsherrschaftlich-bäuerliche Verhältnis erlebte eine durchgreifende Veränderung erst mit den Ende des 18. Jh. einsetzenden gesellschaftlichen und ökonomischen Umwälzungen in Deutschland auf dem Weg zum Kapitalismus. Sie erfuhren ihren politischen Ausdruck in den Preußischen Reformen, insbesondere den Preußischen Agrarreformen seit 1807, wenn auch in der Niederlausitz zögerlicher durchgesetzt: (die Niederlausitz fiel 1814/15, nach dem Sturz Napoleon I., an Preußen) alte Ständeverfassung wurde nach Eingliederung vorerst beibehalten; Einführung der Gewerbe-, Land-, Verbrauchs- und Personensteuer ausgesetzt; Einführung der revidierten Städteordnung (1808) in der Niederlausitz erst 1832; Fall der Erbuntertänigkeit im Januar 1819 (Preußen 1810)!

Im Zuge der Reformen konnten (zuerst die „spannfähigen“) Bauern ihre „Ackernahrung“ nebst Hof durch Kauf und Landabtretung in privates Eigentum überführen. Dieses Loslösen von der Erbuntertänigkeit war für die meisten Bauern teuer erkauft (bis zu einem Drittel Landabtretungen an den Gutsherren), zumal lange Zeit die Hand- und Spanndienste erhalten blieben. Kleinbauern ohne Gespann wurden oft zu besitzlosen Landarbeitern, da der Gutsherr ihren Boden für billiges Geld kaufen konnte. Sie mussten sich auf dem Gut verdingen oder gingen in die aufkommende Industrie.

Nahm die Landwirtschaft in jener Zeit einen generellen Aufschwung, so waren die Bedingungen in der Niederlausitz nicht so günstig. Die geringeren Erträge haben hier auch im 19. Jh. kaum Besserung gebracht. Die Bauweise blieb meist eingeschossig, und der Massivbau setzte sich nur zögernd durch. Der Anteil der erhaltenen Holzbauten ist daher noch verhältnismäßig hoch.

Die neuen Preußen

Ende September 1813 wurde der altpreußische Kreis Cottbus, der zu den Gebieten gehörte, die 1807 nach der Niederlage Preußens gegen die Truppen Napoleons abgetreten wurden, von Preußen wieder in Besitz genommen. Am 22. Mai 1815 fielen nach den Beschlüssen des Wiener Kon­gresses, auf dem die politische und territoriale Neu­ordnung Europas festgelegt wurde, die übrigen sechs Kreisgebiete der Niederlausitz, die bisher zum Königreich Sachsen gehört hatten, an Preußen und wurden in den Regierungsbezirk Frankfurt an der Oder der neu gegründeten Provinz Brandenburg ein­gegliedert, das Markgraftum wird aufgelöst. Die Autonomierechte der Stände wurden schrittweise aufgehoben und Lübben verliert seine Funktion als Hauptstadt einer Jahrhunderte lang autonomen Region.

Zwischen 1812 und 1848 wuchs die Einwohner­zahl der Niederlausitz um 42 Prozent an. Annähernd drei Viertel der 271635 Einwohner lebten 1840 auf dem Lande. Die Gebiete, die zu Preußen kamen, wurden nicht nur von Deutschen, sondern eben von der slawischen Minderheit der Sorben bewohnt. Durch die Gebietsumverteilung erfolgte eine administrative Zerstückelung ihres Siedlungsraumes. Gehörten im Jahre 1807 noch 95 Prozent der sor­bischen Bevölkerung zu Sachsen, unterstanden nach der Umgestaltung 80 Prozent von ihr dem preußi­schen Staat, und nur 20 Prozent verblieben in Sachsen. Damit waren alle Bestrebun­gen der sorbischen Intelligenz nach einer nationalen Selbstverwirklichung zum Scheitern verurteilt. Der Anteil der sorbischen Bevölkerung an der Gesamt­einwohnerzahl der beiden preußischen Provinzen Brandenburg und Schlesien betrug nur etwa sechs Prozent, in der sächsischen Oberlausitz weiterhin ein Viertel. Unter der preußischen Herrschaft verstärkte sich die Unterdrückung der Sorben, insbesondere wurden administrative Maßnahmen ergriffen, um den Gebrauch der niedersorbischen Sprache zurückzudrängen, was durch die evangelische Kirche mehr als toleriert wurde.

Die Niederlausitz als Landschaftsbegriff

Um 1816 begann die Neuorganisation der Territorialverwaltung. Sieben Landkreise, Cottbus, Sorau (heute Polen), Spremberg, Calau, Luckau, Lübben und Guben wurden eingeführt. Die administrative Gliederung blieb im Wesentlichen bis 1945 bestehen.

Den nationalsozialistischen Machthabern des „Dritten Reiches“ gefiel eine teils umfassende begriffliche Umbenennung der Regionen, die hauptsächlich parteipolitischer Gliederung folgte. Alte Unterscheidungen wurden, historisch völlig unberech­tigt, verwässert und gaben damit Anlass zu Begriffsverwirrungen, das galt auch für die Niederlausitz.

Nach dem durch das Deutsche Reich angezettelten 2. Weltkrieg kamen die östlich der Neiße gelegenen Teile des Landes durch das Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung. Die Grenze wurde durch den mit der Deutschen Wiedervereinigung 1990 abgeschlossenen „2 + 4 Vertrag“ und dem Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über die Bestätigung der zwischen ihnen bestehenden Grenzen vom 14. November 1990 endgültig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehört die Niederlausitz zunächst wieder zum Land Brandenburg und schließlich zur DDR. Im Zuge der Gebietsreform von 1952 wurde der größte Teil der Niederlausitz zum Bezirk Cottbus zusammengefasst. Zugleich etablierte sich die Bezirksstatt Cottbus quasi als regionales Zentrum der verbliebenen historischen Niederlausitz. Mit den politischen Veränderungen und der Wiedererrichtung des Landes Brandenburg nach 1990 wird Niederlausitz nur noch historisch oder als Landschaftsbegriff verwendet. Schließlich führte die Bildung von Großkreisen im Jahr 1993 (z. B. Landkreis Dahme-Spreewald) über die historischen Grenzen der Niederlausitzer Region hinaus.

Niederlausitz

Niedersorbisch: Dolna Łužyca,
Obersorbisch: Delnja Łužica,
Polnisch: Dolne Łużyce,
Latein: Lusatia inferior

Wappen

Es besteht aus einem weißen Panier mit einem roten Ochsen. Es hat Ähnlichkeit mit dem Wappen der Stadt Luckau, welche im Mittelalter die „Hauptstadt“ der Niederlausitz war.

Oberlausitz

Besiedlung

Das Gebiet der Oberlausitz war nach Stand der ur- und frühgeschichtlichen Forschung bis in die jüngere Bronzezeit (11. bis 9. Jahrhundert v. Chr.) scheinbar wenig besiedelt. Die Träger der Lausitzer Kultur drangen schließlich vom Neißetal und von Böhmen her in die Region vor und mit dem Ausklingen dieser ersten große Siedlungsphase existierte in der Region wahrscheinlich über mehrere hundert Jahre nur eine geringe Restbevölkerung. Bis mit dem 6. und 7. Jahrhundert slawische Stämme aus Osten einwanderten. Im Gebiet zwischen den heutigen Städten Kamenz und Löbau ließ sich der Stamm der Milzener nieder. Ihr Zentrum war eine Burgsiedlung an der Stelle der heutigen Ortenburg in Bautzen.

Ostexpansion und territoriale Konsolidierung

Seit dem 10. Jahrhundert wurde jedoch die Eigenständigkeit der slawischen Stämme durch den Expansionsdruck des ostfränkisch-deutschen Reiches unter König Heinrich I. bedroht. 939 gelang es König Otto I. die Milzener erneut zu besiegen und um 990 konnte Markgraf Ekkehard I. von Meißen die Milzener endgültig unterwerfen. Territoriale Besitznahme und Missionierung gingen in Folge einher, die Oberlausitz war nun dem 968 gegründeten Bistum Meißen zugeordnet worden. Zwischen 1002 und 1031kam die Oberlausitz, ähnlich der Niederlausitz, unter Einfluss des erstarkten polnischen Königreiches.

Der deutsche König vergab das Reichslehen bzw. Markgraftum Oberlausitz über mehrere Jahrhunderte nur zur Verwaltung an verschiedene Markgrafen, Könige und Kaiser. Dadurch konnte der jeweilige Herrscher die Oberlausitz nicht seinem Stammland einverleiben. So entwickelte sich der oberlausitzer Adel ausschließlich aus Lehensleuten, die aus den westlich der Elbe gelegenen Regionen eingewandert waren. Das Markgraftum Oberlausitz hat so auch seine eigene Verfassungsgeschichte. Mit dem 12. Jahrhundert kam die Oberlausitz endgültig unter die Autorität böhmischer Herrscherhäuser. In dieser Zeit entstanden, abgesehen vom älteren Bautzen, alle bedeutenden Städte der Oberlausitz, und wurden alle bedeutenden kirchlichen Institutionen des Landes gegründet. Unter den böhmischen Königen intensivierte sich ebenso der Landesausbau, dazu wurden deutsche Bauern ins Land geholt.

Politisch von Bedeutung war die Einsetzung von Landvögten als Stellvertreter des Landesherren unter den Askaniern (mitteldeutsche Fürstendynastie, seit 1157 Markgrafen von Brandenburg) im 13. Jahrhundert. Mit diesem landesherrlichen Amt in der Oberlausitz wurden die Befugnisse der Burggrafen und Landrichter in einer Hand vereinigt und sogar noch erweitert. In die Zeit der Herrschaft der Askanier fiel auch die von Markgraf Otto IV. von Brandenburg 1268 vorgenommene Teilung der Oberlausitz in die Länder Bautzen (Land Budissin) und Görlitz das herausragendste Ereignis (bis 1329).

Der Sechsstädtebund

Unter der Herrschaft Karls IV., seit 1346 deutscher König und König von Böhmen (1355 wurde er zum Kaiser gekrönt), entwickelten sich einige Oberlausitzer Städte zu neuen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentren der Region. Am 21. August des Jahres 1346 gründeten die fünf bedeutendsten königlichen Städte der Oberlausitz Bautzen, Görlitz, Löbau, Kamenz und Lauban und das damals noch böhmische Zittau den Sechsstädtebund. Das geschah mit Billigung des böhmischen Königs, der die Städte mit zahlreichen Privilegien unterstützte, und diente dem Kampf gegen Rittertum und Straßenräuberei in der Oberlausitz. Der Bund besaß juristische Sondervollmachten und war stellvertretend für den Landesherrn Träger der Staatlichkeit. Der Landesherr sandte lediglich einen Landvogt als seinen Vertreter in die Oberlausitz, welcher traditionell aus dem Adel eines der böhmischen Kronländer berufen wurde (Vor 1620 ist lediglich einmal ein Oberlausitzer als Landvogt bezeugt). Aus dem Krieg gegen die Hussiten ging das Bündnis letztendlich gestärkt heraus. So hatte sich Ende des 15. Jahrhunderts sich das politische System des Markgraftums Oberlausitz weitgehend gefestigt. Neben dem Landvogt gab es in Bautzen und Görlitz noch je einen Amtshauptmann, somit bildeten diese drei Beamten die gesamte königliche Verwaltung. Machtzentrum des Landes war der ständische Landtag.

Oberlausitz

Obersorbisch: Hornja Łužica,
Niedersorbisch: Górna Łužyca,
Latein: Lusatia superior

Sorben oder Wenden ?

Für die Besucher der Lausitz, aber auch für viele Einheimische wirft die unterschiedliche Benennung der hier heimischen slawischen Minderheit als Sorben oder Wenden immer noch Fragen auf. Handelt es sich bei den Bezeichnungen um Ein und das Selbe? Oder werden gar verschiedene Volksgruppen damit angesprochen? Historisch betrachtet gehen die beiden Begriffe auf unterschiedliche Tradition bei der Benennung der Völker in Ostmitteleuropa zurück:

Römische Geschichtsschreiber übertrugen den Namen mehrerer antiker Volksstämme in Europa, der Veneter (lateinisch: Veneti, griechisch: Enetoi), die vor Christi Geburt in der Bretagne, in der östlichen Po-Ebene und im nördlichen Bereich der Adriaküste (heutige Region Venetien in Oberitalien) lebten, zunächst auf die gesamte nichtgermanische Bevölkerung östlich des Limes. So meinte Plinius (römischer Politiker und Schriftsteller) um 100 n. Chr. mit den Venedi ein vermutlich slawisches Volk im Oder-Weichsel-Gebiet. Mit dem davon abgeleiteten Namen Wenden oder Winden bezeichnete man später im Deutschen alle Slawen, die seit der Völkerwanderung im Gebiet des späteren Mittel- und Ostdeutschlands sowie in den Alpenländern siedelten.

Im Jahre 631 n. Chr. ist durch den fränkischen Chronisten Fredegar der Name Surbi dokumentiert. Er bezog sich ursprünglich auf die zwischen Saale und Mulde ansässigen slawischen Stämme. Diese Bezeichnung breitete sich in den folgenden Jahrhunderten auch auf die Nachkommen der Stämme der Milzener und Lusizer an der oberen und mittleren Spree aus. So hat sich dieser Begriff in der muttersprachlichen Selbstbezeichnung der Nachfahren dieser slawischen Bevölkerungsteile eingefügt: im niedersorbischen Serby, im obersorbischen Serbja, im Deutschen also Sorben.

Trotzdem die Bezeichnung Wenden spätestens in der Zeit des Nationalsozialismus überwiegend abwertend durch Deutsche gebraucht wurde, haben sorbische Bevölkerungsteile diesen Begriff für die Eigenbezeichnng angewandt, jedoch nie in den muttersprachlichen Gebrauch übernommen. So kommt es, dass noch heute in den Dörfern um Cottbus viele Einheimische (Sorben) sich selbst als Wenden bezeichnen. Viele haben dennoch diesen Begriff als diskriminierend empfunden, und so einigte man sich nach dem Zweiten Weltkrieg in der sowjetischen Besatzungszone bzw. der späteren DDR auf die Benennung Sorben. Nach der politischen Wende 1990, zur 1. Hauptversammlung des Domowina-Regionalverbandes Niederlausitz am 31. Mai 1991, entschieden sich die Delegierten des Landes Brandenburg für die deutsche Bezeichnung Sorben/ Wenden. Damit stehen im deutschen Sprachgebrauch beide Begriffe faktisch (wieder) gleichbedeutend nebeneinander.

Sorbisch gehört zu den westslawischen Sprachen. Es hat, neben vielen regionalen Modifizierungen, zwei Hauptdialekte, aus denen sich Mitte des 19. Jahrhunderts zwei als endgültige eigenständige Schriftsprachen entwickelt haben: Obersorbisch, das in der Gegend um Bautzen gesprochen wird, und Niedersorbisch im Cottbuser Raum. Diese entstanden in Folge der Reformation, als schriftsprachliche Formen des Sorbischen auf der Grundlage verschiedener Dialekte entstanden.  Eine engere sprachliche Verwandtschaft besteht zum Polnischen, Tschechischen und Slowakischen. Nach 1945 wurden beide sorbischen Hauptdialekte als Amts- und Schulsprachen anerkannt. Zwischen dem Ober- und Niedersorbischen gibt es in einem Raum etwa von Muskau bis Senftenberg und von Hoyerswerda bis Weißwasser Übergangsdialekte und –mundarten, gleichsam als „Überlappung“ beider Sprachen.