{"id":291,"date":"2014-11-11T14:18:39","date_gmt":"2014-11-11T13:18:39","guid":{"rendered":"http:\/\/lausitzer-museenland.de\/?page_id=291"},"modified":"2023-11-23T13:36:51","modified_gmt":"2023-11-23T12:36:51","slug":"geschichte-der-lausitz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.lausitzer-museenland.de\/en\/service\/history-of-lausitz\/","title":{"rendered":"History of Lusatia"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"#naturraum\">Naturraum<\/a> | <a href=\"#die_lausitzen\">Die Lausitzen<\/a> | <a href=\"#niederlausitz\">Niederlausitz<\/a> | <a href=\"#oberlausitz\">Oberlausitz<\/a> \u00a0| <a href=\"#sorben_wenden\">Sorben und Wenden<\/a> | <a href=\"#museenlandschaft\">Museenlandschaft<\/a><br \/>\n<img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1423\" src=\"https:\/\/www.lausitzer-museenland.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/geschichte.jpg\" alt=\"geschichte\" width=\"800\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.lausitzer-museenland.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/geschichte.jpg 402w, https:\/\/www.lausitzer-museenland.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/geschichte-300x149.jpg 300w, https:\/\/www.lausitzer-museenland.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/geschichte-100x49.jpg 100w, https:\/\/www.lausitzer-museenland.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/geschichte-150x74.jpg 150w, https:\/\/www.lausitzer-museenland.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/geschichte-200x99.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p>\n<h3>Naturraum<a id=\"naturraum\"><\/a><\/h3>\n<p>Die Lausitz unterteilt sich landschaftlich in zwei unterschiedliche Gebiete, die Ober- und die Niederlausitz, sie haben eine ganz verschiedene geologische Geschichte.<br \/>\nDie Oberfl\u00e4che der Niederlausitz wurde wie die des ganzen Norddeutschen Tieflandes durch die Eiszeit geformt und zwar w\u00e4hrend des ann\u00e4hernd zwei Millionen Jahre dauernden Pleistoz\u00e4ns in der Neuzeit der Erde. Es gab vier Eiszeiten mit drei Zwischeneiszeiten. Das Eis lie\u00df nach der Schmelze fruchtbare Grundmor\u00e4nen zur\u00fcck und h\u00fcgelige Endmor\u00e4nen, gro\u00dfe Sandfl\u00e4chen und viele Seen. Durch die Niederlausitz zieht sich der Lausitzer Grenzwall, ein Teil des s\u00fcdlichen Landr\u00fcckens, der sich nordwestlich im Niederen Fl\u00e4ming fortsetzt. Es handelt sich um die Hauptendmor\u00e4ne des Warthestadiums der Saaleeiszeit. Die h\u00f6chste Erhebung des Lausitzer Grenzwalls betr\u00e4gt 167 m. Der S\u00fcdliche Landr\u00fccken stellt hier eine Wasserscheide dar. Die von S\u00fcden kommenden Fl\u00fcsse Dahme, Spree und Nei\u00dfe haben Durchbr\u00fcche geschaffen. S\u00fcdlich des Lausitzer Grenzwalls schlie\u00dft sich das Urstromtal der Schwarzen Elster an. Zur j\u00fcngeren glazialen Serie geh\u00f6rt als Abflussrinne das Baruther Urstromtal, deren Bett in der Niederlausitz von der Spree genutzt wird, die sich hier zum Spreewald verzweigt. Nahezu weltweit einmalig ist der Muskauer Faltenbogen, eine Stauchendmor\u00e4ne der Saaleeiszeit. Der Inlandeis-Gletscher stauchte die vor und unter ihm liegenden Sand- und Braunkohleschichten auf einer L\u00e4nge von mehr als 40 km zu einem hufeisenf\u00f6rmigen Faltenbogen auf. Er ist als flacher H\u00fcgelzug beiderseits der Nei\u00dfe erhalten. Die Oberfl\u00e4che der Niederlausitz wurde grundlegend im ausgehenden Mittelpleistoz\u00e4n vor ca. 150.000 Jahren geschaffen und in den folgenden Epochen des Jungpleistoz\u00e4ns und des Holoz\u00e4ns glazi\u00e4r (Verformung durch Gletschereis), vor allem aber durch Verwitterung, Abtragung, Aussp\u00fclung und Verwehung sowie durch Sedimentation geformt. Die Niederlausitz ist somit gr\u00f6\u00dftenteils ein Tiefland, das urspr\u00fcnglich von ausgedehnten Mooren, Bruchw\u00e4ldern und Buchen-Eichenw\u00e4ldern bedeckt war. Im 19. Jahrhundert waren verbreitet Kiefernforste anzutreffen. In j\u00fcngster Zeit entstand und entsteht durch die Rekultivierung des Lausitzer Braunkohlenrevieres das Lausitzer Seenland.<\/p>\n<p>Die Oberlausitz dagegen zeigt ein ganz anderes Bild, geomorphologisch wird sie durch das einheitliche Lausitzer Granitmassiv gepr\u00e4gt. In ihr liegen das Lausitzer Bergland und das Zittauer Gebirge (h\u00f6chste Erhebung: Lausche, 793 m \u00fc. NN), beide geh\u00f6ren zu den deutschen Mittelgebirgen. Diese entstanden aus dem gro\u00dfen Variskischen Gebirge aus dem Erdaltertum, das sich im gro\u00dfen Bogen vom franz\u00f6sischen Zentralplateau bis zur M\u00e4hrischen Pforte erstreckte. Als in der Terti\u00e4rzeit (Beginn vor 60 Millionen Jahren) die Alpen aufgefaltet wurden, zerbrach dieses schon stark abgetragene Gebirge in einzelne Schollen, abgeschliffene, gerundete Formen. Das mittlere offene wellige H\u00fcgelland zwischen Kamenz und L\u00f6bau, mit Bautzen im Zentrum, das Oberlausitzer Gefilde, war gut f\u00fcr die Landwirtschaft geeignet und ist auch heute noch sehr ertragreich. Das Gebiet war deutlich l\u00e4nger in relevanter Gr\u00f6\u00dfenordnung besiedelt als die benachbarten Naturr\u00e4ume und war ein Hauptzentrum der Lausitzer Kultur. Lediglich der Norden und Nordosten der Oberlausitz ist eiszeitlich geformt, er wird von der flachen Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft eingenommen. Alle gr\u00f6\u00dferen Fl\u00fcsse der Oberlausitz flie\u00dfen von S\u00fcden nach Norden. Im Westen bildete die Pulsnitz fr\u00fcher die Landesgrenze zu Sachsen. Die Spree nimmt ihren Ausgang ganz im S\u00fcden des Landes und flie\u00dft durch Bautzen. Die Lausitzer Nei\u00dfe entspringt im b\u00f6hmischen Isergebirge, tritt nahe Zittau auf Oberlausitzer Gebiet, durchflie\u00dft G\u00f6rlitz und verl\u00e4sst das Land bei Bad Muskau in Richtung Niederlausitz.<\/p>\n<h3>Die Lausitzen<a id=\"die_lausitzen\"><\/a><\/h3>\n<p>Bei der Lausitz sprechen wir von einer Region, die also einerseits geologisch aber auch politisch und kulturhistorisch in zwei Teile zu unterscheiden ist. Die fr\u00fcher gebr\u00e4uchliche Bezeichnung &#8222;Lausitzen&#8220; benennt zwei verschiedene aneinandergrenzende L\u00e4nder: die Ober- und die Niederlausitz. Der Name Lausitz bezog sich urspr\u00fcnglich nur auf das von westslawischen St\u00e4mmen besiedelte Gebiet um Cottbus (das alte Land der Lusitzi), die heutige Niederlausitz. Nachdem sich die Bezeichnung im 15. Jahrhundert auch auf die Gebiete um Bautzen, G\u00f6rlitz und Zittau, die heutige Oberlausitz, ausgedehnt hatte, wurde die Unterscheidung in Nieder- und Oberlausitz gebr\u00e4uchlich.<\/p>\n<p><strong>Grenzen der Niederlausitz<\/strong><\/p>\n<p>Das Gebiet der Niederlausitz hat historisch flie\u00dfende Grenzen und es ist problematisch, eindeutige Linien zu ziehen. Im Norden verl\u00e4uft die Grenze etwa mit dem Spreelauf, ungef\u00e4hr auf der Linie Eisenh\u00fcttenstadt, Schwielochsee, Neu L\u00fcbbenau. S\u00fcdwestlich bildet das Stromtal der Schwarzen Elster, westlich der Niedere Fl\u00e4ming und nordwestlich der Teltow die Grenze der Niederlausitz. Im S\u00fcden begrenzt die Niederlausitz der Lauf der Schwarzen Elster. Dort, wo dieselbe an das Niederlausitzer Heideland st\u00f6\u00dft, verl\u00e4ngern wir ihren Lauf durch eine gedachte Linie nach Osten, die die Nei\u00dfe \u00fcberschreitet und bis zur Niederschlesischen Heide (Bory Dolno\u015b\u0142\u0105skie) f\u00fchrt. So haben wir etwa die s\u00fcdliche Grenze. Im Osten begrenzt die Bober (Bobr), dort wo diese in die Oder eintritt,\u00a0 die Region.<\/p>\n<p><strong>Grenzen der Oberlausitz\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Oberlausitz ist die Region zu beiden Seiten der oberen Spree zwischen der Elbe und der Nei\u00dfe. Im Westen bildete die Pulsnitz fr\u00fcher die Landesgrenze zu Sachsen. Die Ostgrenze der alten Oberlausitz wurde vom Queis markiert, der auch an Lauban vorbeistr\u00f6mt und weiter n\u00f6rdlich auf schlesischem Gebiet in den Bober m\u00fcndet. Nach S\u00fcden schlie\u00dfen sich das Elbsandsteingebirge und das Lausitzer Gebirge an.<\/p>\n<p>Die Geschichte beider L\u00e4nder weist zwar viele Parallelen auf. Aufgrund der Tatsache, dass beide Regionen aber eigene Teilstaaten waren und teilweise erheblich unterschiedliche Entwicklungen nahmen, sollte eine getrennte Betrachtung erfolgen.<\/p>\n<p><strong>Herausbildung des Namens Oberlausitz<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Region zwischen den Fl\u00fcssen Pulsnitz im Westen und Queis im Osten (das alte Land der Milzener) waren bis ins 16. Jahrhundert verschiedene Bezeichnungen wie \u201edas ganze Land Budissin\u201c oder \u201edie L\u00e4nder Budissin und G\u00f6rlitz\u201c gebr\u00e4uchlich, es gab jedoch keinen einheitlichen Landschaftsnamen. Die Gr\u00fcndung des Sechsst\u00e4dtebundes im Jahr 1346 f\u00fchrte nun zu einem neuen Landesnamen. Der Grund daf\u00fcr lag darin, dass neben den k\u00f6niglichen St\u00e4dten Bautzen, G\u00f6rlitz, Lauban, L\u00f6bau und Kamenz auch das bis dahin b\u00f6hmische Zittau in den Bund und damit in das Bautzener Markgraftum eingegliedert wurde, f\u00fcr das sich auch die Bezeichnung \u201eLand der Sechsst\u00e4dte\u201c oder kurz \u201eSechsst\u00e4dte\u201c durchsetzte (lateinisch: \u201eHexapolis\u201c oder \u201eterra hexapolitana\u201c).<\/p>\n<p>Seit dem 15. Jahrhundert kam es dann vermehrt zur Verwendung des Namens \u201eLusatia\u201c f\u00fcr das Gebiet der heutigen Oberlausitz und schlie\u00dflich f\u00fcr die gesamte Lausitz (erstmals 1409 an der Universit\u00e4t Leipzig). In den folgenden Jahrzehnten setzte sich die Unterteilung der Lausitzen und die Bezeichnung des \u201eSechsst\u00e4dtelandes\u201c als \u201eLusatia superior\u201c, also Oberlausitz, durch (offiziell erstmals 1474 in einer Urkunde des ungarischen Hofes). Von den Einwohnern selbst wurde der Landesname erst in der Mitte des folgenden Jahrhunderts nach und nach im Sinne eigener regionaler Identit\u00e4t gebraucht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Niederlausitz<a id=\"niederlausitz\"><\/a><\/h3>\n<p><strong>Besiedlung<\/strong><\/p>\n<p>Fr\u00fche arch\u00e4ologische Funde in der Niederlausitz gaben einer seit etwa 1200 v. Chr. im \u00f6stlichen Mitteleuropa lebende Kulturgruppe, der Lausitzer Kultur, ihren Namen. Sie ist eine Untergruppe der Urnenfelderkulturen und war w\u00e4hrend der mittleren und sp\u00e4ten Bronzezeit \u00fcber ein gro\u00dfes Gebiet zwischen Ostdeutschland, Polen und Ungarn verbreitet. In der Zeit vor der V\u00f6lkerwanderung wanderten germanische St\u00e4mme in die Lausitz ein, die wiederum die dort ans\u00e4ssigen Kelten assimilierten. Sie wanderten zum gro\u00dfen Teil nach S\u00fcden und Westen ab. Das Territorium der historischen Niederlausitz wurde als Folge der gro\u00dfen V\u00f6lkerwanderung seit der ersten H\u00e4lfte des 6. Jahrhunderts n. Chr. durch slawische St\u00e4mme (urspr\u00fcnglich aus dem Warthe-Weichsel-Gebiet bzw. den Gebieten n\u00f6rdlich der Karpaten stammend) besiedelt. Zuvor siedelnde germanische St\u00e4mme waren abgezogen oder gingen als germanische \u201eRestbev\u00f6lkerung\u201c im slawischen Ethnikum auf. Das erste schriftliche Zeugnis dieser Zeit stammt von einem fr\u00e4nkischen Chronisten Namens Fredegar, der 631 vom Stammesverband der \u201eSurbi\u201c berichtete, der den heutigen Sorben ihren Namen gab. Im Zentrum der Niederlausitz siedelte der Stamm der \u201eLusizi\u201c (\u201eLunsizi\u201c, \u201eLusici\u201c). Sie sind es, die dem sp\u00e4teren Markrgrafentum den Namen geben werden. Jenseits im Osten siedelte im Raum von Guben ein anderes gro\u00dfes slawisches Volk, die Selpoli, entlang der Oder und Nei\u00dfe, in s\u00fcdlicher Richtung bis in die Niederlausitzer Heide hinein, im Westen den Unterspreewald und im Norden die Lieberoser H\u00f6hen erreichend.<\/p>\n<p>Die b\u00e4uerliche Siedlung, das Dorf, war die haupts\u00e4chliche Siedlungsform in der Niederlausitz. Die Familien jener Zeit wohnten in unregelm\u00e4\u00dfig angelegten Geh\u00f6ften ebenerdiger Blockbauten aus Rundh\u00f6lzern. Zum Kennzeichen der sorbischen Besiedlung wurden im 7. JH. die Burgw\u00e4lle, urspr\u00fcnglich Zufluchtsorte der Stammesbev\u00f6lkerung und des Viehs bei feindlichen Angriffen. Mit dem Verfall der Gentilgesellschaft \u00e4nderte sich ihr Charakter. Anstelle der auf verwandtschaftlichen Beziehungen beruhenden Gro\u00dffamilie trat die Dorfgemeinschaft mit dem Dorf\u00e4ltesten. Mehrere D\u00f6rfer bildeten einen Burgbezirk (sorb. \u017eupa), mit einer Burg als Zentrum und dem Burgherrn (\u017eupan) und seinen Kriegern. Ein Stamm bestand aus mehreren Burgbezirken. An der Spitze des Stammes stand der F\u00fcrst. Diese soziale Differenzierung f\u00fchrte auf der einen Seite zur Herausbildung des Feudaladels, den gr\u00f6\u00dften Teil der Bev\u00f6lkerung bildeten freie Bauern, Handwerker und H\u00e4ndler sowie unfreie Stammesangeh\u00f6rige (die Vorl\u00e4ufer der sp\u00e4teren Schicht der leibeigenen Bauern).<\/p>\n<p><strong>Besetzung und territoriale Konsolidierung<\/strong><\/p>\n<p>Bereits im ausgehenden 8. Jahrhundert begannen die Expansionsbestrebungen des benachbarten Frankenreiches, die Ihren H\u00f6hepunkt mit der Konsolidierung des ostfr\u00e4nkisch-deutschen Reiches (919) erreichten. Ziel war die dauerhafte Unterwerfung der slawischen St\u00e4mme f\u00fcr Tributzahlungen. (Unterwerfung der \u201eLusizer\u201c im Jahre 932 durch Heinrich I.) Trotz heftigen Widerstandes der sorbischen St\u00e4mme, waren diese der Macht des bereits zentralisierten Deutschen Reiches nicht gewachsen. Mit der Eroberung der slawischen Gebiete ging auch Ihre Christianisierung einher. Mit dem 12. Jahrhundert bildete sich die administrative Einheit Mark Lausitz, als k\u00f6nigliches Lehen vom Wettinischen Markgrafen verwaltet.<\/p>\n<p>Im 11. und 12. Jahrhundert entstanden gr\u00f6\u00dfere Grundherrschaften, aus dem an Markgrafen, Rittern, Bisch\u00f6fen und Kl\u00f6stern aufgeteilten Grund und Boden nebst D\u00f6rfern und Familien. Das f\u00fchrte zur \u00c4nderung der Abh\u00e4ngigkeitsform der b\u00e4uerlichen Bev\u00f6lkerung, die nun zu differenzierten Abgaben und Dienstleistungen gezwungen wurde.<\/p>\n<p>Der weitere mittelalterliche Landesausbau wurde in der Niederlausitz im 12. und 13. Jahrhundert im Wesentlichen mit sorbischen Bauern und vereinzelten deutschen Siedlern betrieben, nurdeutsche Gr\u00fcndungen waren seltener. Das Land wurde von einem Lokator (vom Landes- oder Grundherrn eingesetzter Adliger, B\u00fcrger oder Gro\u00dfbauer) nach Hufen aufgeteilt, und an die Siedler vergeben; anfangs zu g\u00fcnstigen Bedingungen f\u00fcr die Kolonisten. Diese Situation \u00e4nderte sich dann im 16. Jahrhundert, als der Adel dazu \u00fcberging, seine L\u00e4ndereien zu vergr\u00f6\u00dfern und den Bauern immer gr\u00f6\u00dfere Belastungen aufzub\u00fcrden. Die Niederlausitz ist also ein von den Deutschen erobertes Land, in welchem die alten Einwohner zum gro\u00dfen Teile sesshaft blieben und nur zu einem geringen Teil von deutschen Kolonisten verdr\u00e4ngt wurden.<\/p>\n<p>Noch bis ins 12. Jahrhundert beanspruchten auch die polnischen K\u00f6nige das Gebiet f\u00fcr ihr Reich und konnten zeitweise den \u00f6stlichen Teil des Landes beherrschen. Im 13. und 14. Jahrhundert war die Lausitz zwischen den Adelsgeschlechtern der mei\u00dfnischen Wettiner und den Askaniern der Wittenberger und der Brandenburger Linie umstritten.<\/p>\n<p>Mit dem 14. Jahrhundert wurde die Lausitz Teil der b\u00f6hmischen Krone, deren Nebenland das Markgraftum bis 1635 blieb. Vor allem im 15. Jahrhundert aber auch im 16. Jahrhundert gingen bedeutende Teile der Lausitz durch Verkauf und Verpf\u00e4ndung an die benachbarten Kurf\u00fcrstent\u00fcmer Sachsen und Brandenburg verloren, so zum Beispiel 1454 der zentrale Cottbuser Kreis. In jener Zeit entstand auch der Lausitzer Landtag. Die in vier Kurien gegliederte St\u00e4ndeversammlung war die wichtigste politische Kraft im Land. Daneben nahm ein Landvogt die Belange des b\u00f6hmischen K\u00f6nigs wahr.<\/p>\n<p>Zwischen 1520 und 1540 breitete sich die Reformation im Land aus. Die Niederlausitz war das einzige Land im b\u00f6hmisch-habsburgischen Machtbereich, in dem die evangelischen St\u00e4nde Kirchenhoheit erlangten und das landesweit. Bis auf das Kloster Neuzelle wurden alle anderen Kl\u00f6ster aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Im Verlaufe des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges (Prager Frieden 1635) wurde der s\u00e4chsische Kurf\u00fcrst mit dem Markgraftum Niederlausitz belehnt, welches territorial selbstst\u00e4ndig blieb, wobei der Kurf\u00fcrst von Sachsen zugleich der Markgraf der Niederlausitz war.<\/p>\n<p><strong>L\u00e4ndliche Besitzverh\u00e4ltnisse<\/strong><\/p>\n<p>Seit Beginn des 16. Jahrhundert erlebte der Adel eine schwere wirtschaftliche Krise u.a. durch die sinkende Kaufkraft des Geldes. Ausweg sahen die adeligen Landbesitzer in der Ausdehnung der Produktion verbunden mit der Vergr\u00f6\u00dferung ihrer eigenen Wirtschaft und der Erweiterung der b\u00e4uerlichen Dienstleistungen. Der versch\u00e4rfte soziale Druck auf die sorbische aber auch deutsche Bauernschaft gipfelte bekannterma\u00dfen in den auch f\u00fcr die Niederlausitz nachweisbaren, allerdings versp\u00e4tet einsetzenden, Bauernunruhen. Dieser Prozess des \u00dcbergangs der Grundherrschaft zur gr\u00f6\u00dferen Gutsherrschaft setzte sich nach dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg fort. Wurden zun\u00e4chst die zahlreichen w\u00fcsten Bauernwirtschaften dem herrschaftlichen Besitz einverleibt, vergr\u00f6\u00dferte man die Gutswirtschaft schlie\u00dflich durch Vertreibung der Bauern von ihrem Land bzw. durch Umsetzung auf kleineren Grund und Boden. Dies ging einher mit der Umwandlung von erblichem Besitz in den nicht erblichen La\u00dfbesitz, also der Einf\u00fchrung der Erbuntert\u00e4nigkeit.<\/p>\n<p>Da die Art des Besitzrechtes wenig mit der Gr\u00f6\u00dfe des Gutes zu tun hatte, gab es auch \u201elassitische\u201c Wirtschaften von verschiedener Gr\u00f6\u00dfe, nach der sich aber die zu erbringenden Leistungen der Bauern richteten. Das La\u00dfgut bestand aus Haus und Hof, Feld, Wiese, Hutung, Ger\u00e4t und Inventar. Trotz gewisser Abweichungen in der wissenschaftlichen Literatur kann man von folgender historischer Unterscheidung ausgehen: Ganz-Hufner (o. H\u00fcfner) oder Bauern [Besitz eine ganze Hufe], Klein-Hufner oder Kleinbauer [Besitz eine dreiviertel Hufe], Halbhufner, G\u00e4rtner, Koss\u00e4ten und B\u00fcdner; mit jeweils abgestufter Zuweisung von Acker, Wiese, Garten, Hofraum, Wagen, Pflug, Saatgetreide, Vieh. Festgelegt im Verh\u00e4ltnis ist ebenfalls, wie viel und welches Vieh in der Wirtschaft gehalten werden darf.<\/p>\n<p>Im 18. Jahrhundert lassen sich zunehmend die Besitzkategorien von b\u00e4uerlichem La\u00df-, Erb- und Lehnbesitz nicht mehr deutlich scheiden, da der starke wirtschaftliche Druck zur Verwischung der Unterschiede in der Frohnleistung f\u00fchrte. Das gutsherrschaftlich-b\u00e4uerliche Verh\u00e4ltnis erlebte eine durchgreifende Ver\u00e4nderung erst mit den Ende des 18. Jh. einsetzenden gesellschaftlichen und \u00f6konomischen Umw\u00e4lzungen in Deutschland auf dem Weg zum Kapitalismus. Sie erfuhren ihren politischen Ausdruck in den Preu\u00dfischen Reformen, insbesondere den Preu\u00dfischen Agrarreformen seit 1807, wenn auch in der Niederlausitz z\u00f6gerlicher durchgesetzt: (die Niederlausitz fiel 1814\/15, nach dem Sturz Napoleon I., an Preu\u00dfen) alte St\u00e4ndeverfassung wurde nach Eingliederung vorerst beibehalten; Einf\u00fchrung der Gewerbe-, Land-, Verbrauchs- und Personensteuer ausgesetzt; Einf\u00fchrung der revidierten St\u00e4dteordnung (1808) in der Niederlausitz erst 1832; Fall der Erbuntert\u00e4nigkeit im Januar 1819 (Preu\u00dfen 1810)!<\/p>\n<p>Im Zuge der Reformen konnten (zuerst die \u201espannf\u00e4higen\u201c) Bauern ihre \u201eAckernahrung\u201c nebst Hof durch Kauf und Landabtretung in privates Eigentum \u00fcberf\u00fchren. Dieses Losl\u00f6sen von der Erbuntert\u00e4nigkeit war f\u00fcr die meisten Bauern teuer erkauft (bis zu einem Drittel Landabtretungen an den Gutsherren), zumal lange Zeit die Hand- und Spanndienste erhalten blieben. Kleinbauern ohne Gespann wurden oft zu besitzlosen Landarbeitern, da der Gutsherr ihren Boden f\u00fcr billiges Geld kaufen konnte. Sie mussten sich auf dem Gut verdingen oder gingen in die aufkommende Industrie.<\/p>\n<p>Nahm die Landwirtschaft in jener Zeit einen generellen Aufschwung, so waren die Bedingungen in der Niederlausitz nicht so g\u00fcnstig. Die geringeren Ertr\u00e4ge haben hier auch im 19. Jh. kaum Besserung gebracht. Die Bauweise blieb meist eingeschossig, und der Massivbau setzte sich nur z\u00f6gernd durch. Der Anteil der erhaltenen Holzbauten ist daher noch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hoch.<\/p>\n<p><strong>Die neuen Preu\u00dfen<\/strong><\/p>\n<p>Ende September 1813 wurde der altpreu\u00dfische Kreis Cottbus, der zu den Gebieten geh\u00f6rte, die 1807 nach der Niederlage Preu\u00dfens gegen die Truppen Napoleons abgetreten wurden, von Preu\u00dfen wieder in Besitz genommen. Am 22. Mai 1815 fielen nach den Beschl\u00fcssen des Wiener Kon\u00adgresses, auf dem die politische und territoriale Neu\u00adordnung Europas festgelegt wurde, die \u00fcbrigen sechs Kreisgebiete der Niederlausitz, die bisher zum K\u00f6nigreich Sachsen geh\u00f6rt hatten, an Preu\u00dfen und wurden in den Regierungsbezirk Frankfurt an der Oder der neu gegr\u00fcndeten Provinz Brandenburg ein\u00adgegliedert, das Markgraftum wird aufgel\u00f6st. Die Autonomierechte der St\u00e4nde wurden schrittweise aufgehoben und L\u00fcbben verliert seine Funktion als Hauptstadt einer Jahrhunderte lang autonomen Region.<\/p>\n<p>Zwischen 1812 und 1848 wuchs die Einwohner\u00adzahl der Niederlausitz um 42 Prozent an. Ann\u00e4hernd drei Viertel der 271635 Einwohner lebten 1840 auf dem Lande. Die Gebiete, die zu Preu\u00dfen kamen, wurden nicht nur von Deutschen, sondern eben von der slawischen Minderheit der Sorben bewohnt. Durch die Gebietsumverteilung erfolgte eine administrative Zerst\u00fcckelung ihres Siedlungsraumes. Geh\u00f6rten im Jahre 1807 noch 95 Prozent der sor\u00adbischen Bev\u00f6lkerung zu Sachsen, unterstanden nach der Umgestaltung 80 Prozent von ihr dem preu\u00dfi\u00adschen Staat, und nur 20 Prozent verblieben in Sachsen. Damit waren alle Bestrebun\u00adgen der sorbischen Intelligenz nach einer nationalen Selbstverwirklichung zum Scheitern verurteilt. Der Anteil der sorbischen Bev\u00f6lkerung an der Gesamt\u00adeinwohnerzahl der beiden preu\u00dfischen Provinzen Brandenburg und Schlesien betrug nur etwa sechs Prozent, in der s\u00e4chsischen Oberlausitz weiterhin ein Viertel. Unter der preu\u00dfischen Herrschaft verst\u00e4rkte sich die Unterdr\u00fcckung der Sorben, insbesondere wurden administrative Ma\u00dfnahmen ergriffen, um den Gebrauch der niedersorbischen Sprache zur\u00fcckzudr\u00e4ngen, was durch die evangelische Kirche mehr als toleriert wurde.<\/p>\n<p><strong>Die Niederlausitz als Landschaftsbegriff<\/strong><\/p>\n<p>Um 1816 begann die Neuorganisation der Territorialverwaltung. Sieben Landkreise, Cottbus, Sorau (heute Polen), Spremberg, Calau, Luckau, L\u00fcbben und Guben wurden eingef\u00fchrt. Die administrative Gliederung blieb im Wesentlichen bis 1945 bestehen.<\/p>\n<p>Den nationalsozialistischen Machthabern des \u201eDritten Reiches\u201c gefiel eine teils umfassende begriffliche Umbenennung der Regionen, die haupts\u00e4chlich parteipolitischer Gliederung folgte. Alte Unterscheidungen wurden, historisch v\u00f6llig unberech\u00adtigt, verw\u00e4ssert und gaben damit Anlass zu Begriffsverwirrungen, das galt auch f\u00fcr die Niederlausitz.<\/p>\n<p>Nach dem durch das Deutsche Reich angezettelten 2. Weltkrieg kamen die \u00f6stlich der Nei\u00dfe gelegenen Teile des Landes durch das Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung. Die Grenze wurde durch den mit der Deutschen Wiedervereinigung 1990 abgeschlossenen \u201e2 + 4 Vertrag\u201c und dem Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen \u00fcber die Best\u00e4tigung der zwischen ihnen bestehenden Grenzen vom 14. November 1990 endg\u00fcltig.<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg geh\u00f6rt die Niederlausitz zun\u00e4chst wieder zum Land Brandenburg und schlie\u00dflich zur DDR. Im Zuge der Gebietsreform von 1952 wurde der gr\u00f6\u00dfte Teil der Niederlausitz zum Bezirk Cottbus zusammengefasst. Zugleich etablierte sich die Bezirksstatt Cottbus quasi als regionales Zentrum der verbliebenen historischen Niederlausitz. Mit den politischen Ver\u00e4nderungen und der Wiedererrichtung des Landes Brandenburg nach 1990 wird Niederlausitz nur noch historisch oder als Landschaftsbegriff verwendet. Schlie\u00dflich f\u00fchrte die Bildung von Gro\u00dfkreisen im Jahr 1993 (z. B. Landkreis Dahme-Spreewald) \u00fcber die historischen Grenzen der Niederlausitzer Region hinaus.<\/p>\n<p><strong>Niederlausitz<\/strong><\/p>\n<p>Niedersorbisch: Dolna \u0141u\u017eyca,<br \/>\nObersorbisch: Delnja \u0141u\u017eica,<br \/>\nPolnisch: Dolne \u0141u\u017cyce,<br \/>\nLatein: Lusatia inferior<\/p>\n<p><strong>Wappen<\/strong><\/p>\n<p>Es besteht aus einem wei\u00dfen Panier mit einem roten Ochsen. Es hat \u00c4hnlichkeit mit dem Wappen der Stadt Luckau, welche im Mittelalter die \u201eHauptstadt\u201c der Niederlausitz war.<\/p>\n<h3>Oberlausitz<a id=\"oberlausitz\"><\/a><\/h3>\n<p><strong>Besiedlung<\/strong><\/p>\n<p>Das Gebiet der Oberlausitz war nach Stand der ur- und fr\u00fchgeschichtlichen Forschung bis in die j\u00fcngere Bronzezeit (11. bis 9. Jahrhundert v. Chr.) scheinbar wenig besiedelt. Die Tr\u00e4ger der Lausitzer Kultur drangen schlie\u00dflich vom Nei\u00dfetal und von B\u00f6hmen her in die Region vor und mit dem Ausklingen dieser ersten gro\u00dfe Siedlungsphase existierte in der Region wahrscheinlich \u00fcber mehrere hundert Jahre nur eine geringe Restbev\u00f6lkerung. Bis mit dem 6. und 7. Jahrhundert slawische St\u00e4mme aus Osten einwanderten. Im Gebiet zwischen den heutigen St\u00e4dten Kamenz und L\u00f6bau lie\u00df sich der Stamm der Milzener nieder. Ihr Zentrum war eine Burgsiedlung an der Stelle der heutigen Ortenburg in Bautzen.<\/p>\n<p><strong>Ostexpansion und territoriale Konsolidierung<\/strong><\/p>\n<p>Seit dem 10. Jahrhundert wurde jedoch die Eigenst\u00e4ndigkeit der slawischen St\u00e4mme durch den Expansionsdruck des ostfr\u00e4nkisch-deutschen Reiches unter K\u00f6nig Heinrich I. bedroht. 939 gelang es K\u00f6nig Otto I. die Milzener erneut zu besiegen und um 990 konnte Markgraf Ekkehard I. von Mei\u00dfen die Milzener endg\u00fcltig unterwerfen. Territoriale Besitznahme und Missionierung gingen in Folge einher, die Oberlausitz war nun dem 968 gegr\u00fcndeten Bistum Mei\u00dfen zugeordnet worden. Zwischen 1002 und 1031kam die Oberlausitz, \u00e4hnlich der Niederlausitz, unter Einfluss des erstarkten polnischen K\u00f6nigreiches.<\/p>\n<p>Der deutsche K\u00f6nig vergab das Reichslehen bzw. Markgraftum Oberlausitz \u00fcber mehrere Jahrhunderte nur zur Verwaltung an verschiedene Markgrafen, K\u00f6nige und Kaiser. Dadurch konnte der jeweilige Herrscher die Oberlausitz nicht seinem Stammland einverleiben. So entwickelte sich der oberlausitzer Adel ausschlie\u00dflich aus Lehensleuten, die aus den westlich der Elbe gelegenen Regionen eingewandert waren. Das Markgraftum Oberlausitz hat so auch seine eigene Verfassungsgeschichte. Mit dem 12. Jahrhundert kam die Oberlausitz endg\u00fcltig unter die Autorit\u00e4t b\u00f6hmischer Herrscherh\u00e4user. In dieser Zeit entstanden, abgesehen vom \u00e4lteren Bautzen, alle bedeutenden St\u00e4dte der Oberlausitz, und wurden alle bedeutenden kirchlichen Institutionen des Landes gegr\u00fcndet. Unter den b\u00f6hmischen K\u00f6nigen intensivierte sich ebenso der Landesausbau, dazu wurden deutsche Bauern ins Land geholt.<\/p>\n<p>Politisch von Bedeutung war die Einsetzung von Landv\u00f6gten als Stellvertreter des Landesherren unter den Askaniern (mitteldeutsche F\u00fcrstendynastie, seit 1157 Markgrafen von Brandenburg) im 13. Jahrhundert. Mit diesem landesherrlichen Amt in der Oberlausitz wurden die Befugnisse der Burggrafen und Landrichter in einer Hand vereinigt und sogar noch erweitert. In die Zeit der Herrschaft der Askanier fiel auch die von Markgraf Otto IV. von Brandenburg 1268 vorgenommene Teilung der Oberlausitz in die L\u00e4nder Bautzen (Land Budissin) und G\u00f6rlitz das herausragendste Ereignis (bis 1329).<\/p>\n<p><strong>Der Sechsst\u00e4dtebund<\/strong><\/p>\n<p>Unter der Herrschaft Karls IV., seit 1346 deutscher K\u00f6nig und K\u00f6nig von B\u00f6hmen (1355 wurde er zum Kaiser gekr\u00f6nt), entwickelten sich einige Oberlausitzer St\u00e4dte zu neuen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentren der Region. Am 21. August des Jahres 1346 gr\u00fcndeten die f\u00fcnf bedeutendsten k\u00f6niglichen St\u00e4dte der Oberlausitz Bautzen, G\u00f6rlitz, L\u00f6bau, Kamenz und Lauban und das damals noch b\u00f6hmische Zittau den Sechsst\u00e4dtebund. Das geschah mit Billigung des b\u00f6hmischen K\u00f6nigs, der die St\u00e4dte mit zahlreichen Privilegien unterst\u00fctzte, und diente dem Kampf gegen Rittertum und Stra\u00dfenr\u00e4uberei in der Oberlausitz. Der Bund besa\u00df juristische Sondervollmachten und war stellvertretend f\u00fcr den Landesherrn Tr\u00e4ger der Staatlichkeit. Der Landesherr sandte lediglich einen Landvogt als seinen Vertreter in die Oberlausitz, welcher traditionell aus dem Adel eines der b\u00f6hmischen Kronl\u00e4nder berufen wurde (Vor 1620 ist lediglich einmal ein Oberlausitzer als Landvogt bezeugt). Aus dem Krieg gegen die Hussiten ging das B\u00fcndnis letztendlich gest\u00e4rkt heraus. So hatte sich Ende des 15. Jahrhunderts sich das politische System des Markgraftums Oberlausitz weitgehend gefestigt. Neben dem Landvogt gab es in Bautzen und G\u00f6rlitz noch je einen Amtshauptmann, somit bildeten diese drei Beamten die gesamte k\u00f6nigliche Verwaltung. Machtzentrum des Landes war der st\u00e4ndische Landtag.<\/p>\n<p><strong>Oberlausitz<\/strong><\/p>\n<p>Obersorbisch: Hornja \u0141u\u017eica,<br \/>\nNiedersorbisch: G\u00f3rna \u0141u\u017eyca,<br \/>\nLatein: Lusatia superior<\/p>\n<h3>Sorben oder Wenden ?<a id=\"sorben_wenden\"><\/a><\/h3>\n<p>F\u00fcr die Besucher der Lausitz, aber auch f\u00fcr viele Einheimische wirft die unterschiedliche Benennung der hier heimischen slawischen Minderheit als Sorben oder Wenden immer noch Fragen auf. Handelt es sich bei den Bezeichnungen um Ein und das Selbe? Oder werden gar verschiedene Volksgruppen damit angesprochen? Historisch betrachtet gehen die beiden Begriffe auf unterschiedliche Tradition bei der Benennung der V\u00f6lker in Ostmitteleuropa zur\u00fcck:<\/p>\n<p>R\u00f6mische Geschichtsschreiber \u00fcbertrugen den Namen mehrerer antiker Volksst\u00e4mme in Europa, der Veneter (lateinisch: Veneti, griechisch: Enetoi), die vor Christi Geburt in der Bretagne, in der \u00f6stlichen Po-Ebene und im n\u00f6rdlichen Bereich der Adriak\u00fcste (heutige Region Venetien in Oberitalien) lebten, zun\u00e4chst auf die gesamte nichtgermanische Bev\u00f6lkerung \u00f6stlich des Limes. So meinte Plinius (r\u00f6mischer Politiker und Schriftsteller) um 100 n. Chr. mit den Venedi ein vermutlich slawisches Volk im Oder-Weichsel-Gebiet. Mit dem davon abgeleiteten Namen Wenden oder Winden bezeichnete man sp\u00e4ter im Deutschen alle Slawen, die seit der V\u00f6lkerwanderung im Gebiet des sp\u00e4teren Mittel- und Ostdeutschlands sowie in den Alpenl\u00e4ndern siedelten.<\/p>\n<p>Im Jahre 631 n. Chr. ist durch den fr\u00e4nkischen Chronisten Fredegar der Name Surbi dokumentiert. Er bezog sich urspr\u00fcnglich auf die zwischen Saale und Mulde ans\u00e4ssigen slawischen St\u00e4mme. Diese Bezeichnung breitete sich in den folgenden Jahrhunderten auch auf die Nachkommen der St\u00e4mme der Milzener und Lusizer an der oberen und mittleren Spree aus. So hat sich dieser Begriff in der muttersprachlichen Selbstbezeichnung der Nachfahren dieser slawischen Bev\u00f6lkerungsteile eingef\u00fcgt: im niedersorbischen Serby, im obersorbischen Serbja, im Deutschen also Sorben.<\/p>\n<p>Trotzdem die Bezeichnung Wenden sp\u00e4testens in der Zeit des Nationalsozialismus \u00fcberwiegend abwertend durch Deutsche gebraucht wurde, haben sorbische Bev\u00f6lkerungsteile diesen Begriff f\u00fcr die Eigenbezeichnng angewandt, jedoch nie in den muttersprachlichen Gebrauch \u00fcbernommen. So kommt es, dass noch heute in den D\u00f6rfern um Cottbus viele Einheimische (Sorben) sich selbst als Wenden bezeichnen. Viele haben dennoch diesen Begriff als diskriminierend empfunden, und so einigte man sich nach dem Zweiten Weltkrieg in der sowjetischen Besatzungszone bzw. der sp\u00e4teren DDR auf die Benennung Sorben. Nach der politischen Wende 1990, zur 1. Hauptversammlung des Domowina-Regionalverbandes Niederlausitz am 31. Mai 1991, entschieden sich die Delegierten des Landes Brandenburg f\u00fcr die deutsche Bezeichnung Sorben\/ Wenden. Damit stehen im deutschen Sprachgebrauch beide Begriffe faktisch (wieder) gleichbedeutend nebeneinander.<\/p>\n<p>Sorbisch geh\u00f6rt zu den westslawischen Sprachen. Es hat, neben vielen regionalen Modifizierungen, zwei Hauptdialekte, aus denen sich Mitte des 19. Jahrhunderts zwei als endg\u00fcltige eigenst\u00e4ndige Schriftsprachen entwickelt haben: Obersorbisch, das in der Gegend um Bautzen gesprochen wird, und Niedersorbisch im Cottbuser Raum. Diese entstanden in Folge der Reformation, als schriftsprachliche Formen des Sorbischen auf der Grundlage verschiedener Dialekte entstanden.\u00a0 Eine engere sprachliche Verwandtschaft besteht zum Polnischen, Tschechischen und Slowakischen. Nach 1945 wurden beide sorbischen Hauptdialekte als Amts- und Schulsprachen anerkannt. Zwischen dem Ober- und Niedersorbischen gibt es in einem Raum etwa von Muskau bis Senftenberg und von Hoyerswerda bis Wei\u00dfwasser \u00dcbergangsdialekte und \u2013mundarten, gleichsam als \u201e\u00dcberlappung\u201c beider Sprachen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Natural Region | Lusatia | Lower Lusatia | Upper Lusatia | Sorbs and Wends | Museum Landscape Natural Region Lusatia's landscape is divided into two distinct areas, Upper Lusatia and Lower Lusatia, and they have very different geological histories. 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