Der friedlichen Revolution von 1989 folgte der Beitritt der fünf ostdeutschen Länder zur Bundesrepublik. Hieß es anfangs noch „Wir sind das Volk“, so wurde daraus schnell „Wir sind ein Volk“. Niemand wusste damals, welche Folgen dies für die Menschen, die Familien, die Kommunen und die Unternehmen in Ostdeutschland haben würde. Schon zu Beginn der 90er Jahre machte sich eine tiefe Verunsicherung breit: Erste Entlassungen, Betriebsschließungen, neue Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt, Debatten über Stasi und DDR-Geschichte, Fremdeln mit der neu gewonnenen Freiheit. Viele Menschen fühlten sich verunsichert, Familien zerbrachen, sozialer Halt ging verloren. Nazis traten auf den Plan und mit ihnen immer mehr Gewalt. Rassismus und Menschenverachtung machten sich nicht nur in Ostdeutschland breit. Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda stehen neben den Brandanschlägen von Solingen und Mölln.

Doch die 90er Jahre sind nicht nur mit negativen Erfahrungen verbunden. Sie standen auch für Aufbruch, Neuanfang, Offenheit, ein hedonistisches und positives Lebensgefühl. Die Kriegsgefahr in Europa schien für immer gebannt, Demokratie und eine offene Welt für alle fanden ihren kulturellen Ausdruck in Rave und Techno. 1994 wurde Rohkunstbau gegründet und fand erstmals als Wochenendhappening in der Rohbauhalle in Groß Leuthen statt. Auf dem Land, so einer der Gründer, war es die Antwort auf die Langeweile der Nachwendezeit.

2024 besteht Rohkunstbau seit 30 Jahren. Die 29. Ausstellung wagt einen Rückblick auf diese 90er Jahre, auf die Baseballschlägerjahre, auf eine rechtsradikale Jugendkultur, aber auch auf Lebensfreude und Freiheit, auf die Lust auf Neues.

In diesem Jahr präsentieren fünf bildende Künstler*innen ihre Arbeiten. Worauf blicken Sie zurück? Welche Gefühle haben Sie geleitet? Wo stehen Sie heute? Arbeiten von Thomas Florschuetz (D): Fotografie, Gregor Hildebrandt (D): Installation, Markus Matthias Krüger (D): Malerei, Via Lewandowsky (D): Installation, Cornelia Schleime (D): Malerei werden durch zwei Projektionen ergänzt. Dokumentarische Fotos von Andreas Herzau aus den 90er Jahren sollen die Zeit einfangen. Eine weitere Arbeit ist der Spielfilm „Herzsprung“ (1992) von Heike Misselwitz, der im Rahmen der Ausstellung angeschaut werden kann.

Eintritt 12 Euro, ermäßigt 7 Euro
Die Tickets können ab 1. Juli auf Eventbrite bestellt werden.
Geöffnet ist die Rohkunstbau immer am Wochenende von 12:00 bis 18:00 Uhr, allerdings werden Zeit-Tickets verteilt, nur 50 Leute dürfen pro Stunde hinein.