Lukas Rietzschel liest aus seinem Erfolgsroman „Raumfahrer“. Wie Menschen den Moment erleben, in dem Gesellschaftssysteme zusammenbrechen, geht Lukas Rietzschel in seinem aktuellen Roman nach. Die Handlung seines Romans verflicht geschickt die Nachkriegserfahrungen der Brüder Kern, einer von ihnen besser bekannt als Georg Baselitz, der genau wie der Romanautor in Kamenz groß geworden ist, mit der Nachwendegeschichte. Der provokative Künstler Baselitz ist wohl hierzulande vielen ein Begriff: Der Maler kam 1938 im sächsischen Dörfchen Deutschbaselitz – nach dem er sich später benannte – zur Welt. Er wurde in der ehemaligen DDR vor allem dadurch bekannt, dass er wegen seiner nicht regimekonformen Bilder von der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee flog, worauf er flugs in Westberlin weiter studierte und schließlich zu internationaler Berühmtheit gelangte. Rietzschel entwickelt in seinem Roman anhand der Erinnerungsstücke Günter Kerns das Leben der beiden Brüder, welche die Geschichte auseinanderriss: Günter Kern verpasste knapp den Umzug nach Westberlin, als die Mauer gebaut wurde, und hatte durch die gesamte DDR-Zeit keinen Kontakt zu seinem Bruder. Fluchtversuche misslangen, und nach der Wiedervereinigung hatten sich die Brüder so entfremdet, dass sie bis heute kaum miteinander reden. Eingebettet hat Rietzschel seine Biografie in die Rahmengeschichte der erfundenen Person Jan und seiner Familie, die auf schicksalhafte Weise mit der Familie Baselitz-Kern verbunden sind. So vermischt Rietzschel spannend Fakten mit Erdachtem.
Bereits seit Erscheinen seines erfolgreichen Debütromans „Mit der Faust in die Welt schlagen“ gilt Lukas Rietzschel als junge, literarische Stimme des Ostens. Überzeugen Sie sich selbst!
Mit seiner Lesung „Raumfahrer“ setzt Rietzschel die Lesungsreihe am Museum Forst (Lausitz) fort. Als Teil einer vierteiligen Veranstaltungsreihe bietet das Museum seinem Publikum weiterhin Kultur,
trotz der aktuellen Schließung wegen umfangreichen Umbauarbeiten. Es entsteht keine Teilnahmegebühr. Gefördert wird die Lesungsreihe durch den Brandenburgischen Literaturrat aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg. Bei allen Lesungen bietet der Museumsverein Kaffee und selbstgemachten Kuchen an. Im August schließt die Lesungsreihe mit dem Wahl-Niederlausitzer Journalisten Uwe Rada ab, der sein Buch „Siehdichum“ vorstellen wird.