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Sorben oder Wenden

Für die Besucher der Lausitz, aber auch für viele Einheimische wirft die unterschiedliche Benennung der hier heimischen slawischen Minderheit als Sorben oder Wenden immer noch Fragen auf. Handelt es sich bei den Bezeichnungen um Ein und das Selbe? Oder werden gar verschiedene Volksgruppen damit angesprochen? Historisch betrachtet gehen die beiden Begriffe auf unterschiedliche Tradition bei der Benennung der Völker in Ostmitteleuropa zurück:


Römische Geschichtsschreiber übertrugen den Namen mehrerer antiker Volksstämme in Europa, der Veneter (lateinisch: Veneti, griechisch: Enetoi), die vor Christi Geburt in der Bretagne, in der östlichen Po-Ebene und im nördlichen Bereich der Adriaküste (heutige Region Venetien in Oberitalien) lebten, zunächst auf die gesamte nichtgermanische Bevölkerung östlich des Limes. So meinte Plinius (römischer Politiker und Schriftsteller) um 100 n. Chr. mit den Venedi ein vermutlich slawisches Volk im Oder-Weichsel-Gebiet. Mit dem davon abgeleiteten Namen Wenden oder Winden bezeichnete man später im Deutschen alle Slawen, die seit der Völkerwanderung im Gebiet des späteren Mittel- und Ostdeutschlands sowie in den Alpenländern siedelten.


Im Jahre 631 n. Chr. ist durch den fränkischen Chronisten Fredegar der Name Surbi dokumentiert. Er bezog sich ursprünglich auf die zwischen Saale und Mulde ansässigen slawischen Stämme. Diese Bezeichnung breitete sich in den folgenden Jahrhunderten auch auf die Nachkommen der Stämme der Milzener und Lusizer an der oberen und mittleren Spree aus. So hat sich dieser Begriff in der muttersprachlichen Selbstbezeichnung der Nachfahren dieser slawischen Bevölkerungsteile eingefügt: im niedersorbischen Serby, im obersorbischen Serbja, im Deutschen also Sorben.


Trotzdem die Bezeichnung Wenden spätestens in der Zeit des Nationalsozialismus überwiegend abwertend durch Deutsche gebraucht wurde, haben sorbische Bevölkerungsteile diesen Begriff für die Eigenbezeichnng angewandt, jedoch nie in den muttersprachlichen Gebrauch übernommen. So kommt es, dass noch heute in den Dörfern um Cottbus viele Einheimische (Sorben) sich selbst als Wenden bezeichnen. Viele haben dennoch diesen Begriff als diskriminierend empfunden, und so einigte man sich nach dem Zweiten Weltkrieg in der sowjetischen Besatzungszone bzw. der späteren DDR auf die Benennung Sorben. Nach der politischen Wende 1990, zur 1. Hauptversammlung des Domowina-Regionalverbandes Niederlausitz am 31. Mai 1991, entschieden sich die Delegierten des Landes Brandenburg für die deutsche Bezeichnung Sorben/ Wenden. Damit stehen im deutschen Sprachgebrauch beide Begriffe faktisch (wieder) gleichbedeutend nebeneinander.


Das Sorbische gehört zu den westslawischen Sprachen. Es hat, neben vielen regionalen Modifizierungen, zwei Hauptdialekte, aus denen sich Mitte des 19. Jahrhunderts zwei als endgültige eigenständige Schriftsprachen entwickelt haben: Obersorbisch, das in der Gegend um Bautzen gesprochen wird, und Niedersorbisch im Cottbuser Raum. Diese entstanden in Folge der Reformation, als schriftsprachliche Formen des Sorbischen auf der Grundlage verschiedener Dialekte entstanden. Das Sorbische gehört zur Gruppe der westslawischen Sprachen. Eine engere sprachliche Verwandtschaft besteht zum Polnischen, Tschechischen und Slowakischen. Nach 1945 wurden beide sorbischen Hauptdialekte als Amts- und Schulsprachen anerkannt. Zwischen dem Ober- und Niedersorbischen gibt es in einem Raum etwa von Muskau bis Senftenberg und von Hoyerswerda bis Weißwasser Übergangsdialekte und –mundarten, gleichsam als „Überlappung“ beider Sprachen.

Virtuelle Vitrine

  • Eisschrank

Vitrinenbild
  • Beschreibung:

    Eisschrank- Kühlschrank Die ersten Eisschränke bestanden aus Holz und waren mit Zinkplech und Porzellan isoliert. In das obere Fach kamen die Eisstücke, deren Kaltluft die im Fach darunter befindlichen Lebensmittel kühlten.

  • Zeitstellung:

    Mitte des 19. Jahrhundert

  • Museum:

    Museumsscheune Bloischdorf